Ganz im Geiste Albert Schweitzers

Kultur / 21.10.2013 • 21:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rudolf Berchtel an der Behmann-Orgel. Foto: JU
Rudolf Berchtel an der Behmann-Orgel. Foto: JU

Rudolf Berchtel widmet den Ertrag seines Orgelkonzertes einem Sozialprojekt.

Dornbirn. Vor genau 100 Jahren hat der Arzt, Theologe und Philosoph Albert Schweitzer (1875–1965) sein Spital im afrikanischen Lambarene gegründet. Aus diesem Anlass finden heuer in ganz Europa 150 Konzerte statt, mit deren Ertrag die Sanierung des Spitals unterstützt wird. Rudolf Berchtel stellte sich in St. Martin mit dem letzten Konzert seines symphonischen Orgelfestivals in den Dienst der Sache.

Diese Verbindung ist deswegen besonders sinnvoll, weil Albert Schweitzer auch ein anerkannter Musiker und Musikforscher war, der während seiner Europaaufenthalte mit Orgelkonzerten die Mittel für den Unterhalt seines Spitals aufbrachte. Vor allem Johann Sebastian Bach, aber auch César Franck und Charles Marie Widor waren seine Lieblingskomponisten, und genau diese hatte auch Rudolf Berchtel in seinem Programm an der historischen Orgel von 1928.

Deren Erbauer Josef Behmann war nicht zuletzt durch Schriften Schweitzer, der ein Verfechter der symphonischen Orgelmusik war, zu bestimmten Details beim Bau des Instruments angeregt worden.

Klangliches Vollbad

Den mächtigen Choral in E-Dur von César Franck setzt Berchtel wie ein ehernes Denkmal in den weiten, halligen Kirchenraum. Ruhig fließend, aber voll innerer Spannung, gestaltet er das Werk zunächst grundtönig und dann immer farbiger registriert bis zum Maestoso-Schluss mit dem Choral im Tutti mit Hochdruckregistern, die für die ansehnliche Besucherschar ein klangliches Vollbad bedeuten. Den klaren asketischen Gegensatz dazu liefert Bach mit seiner Fantasie G-Dur, der der Organist größte Präzision abverlangt. Nur im letzten Teil ergibt sich durch die spieltechnischen Verzögerungen der pneumatischen Orgel eine gewisse Schwerfälligkeit. Zwei Sätze aus der Symphonie „Gothique“ des Franzosen Widor basieren auf dem Thema des gregorianischen Weihnachtsliedes „Puer natus est“, Berchtel folgt den fantasievollen kanonischen und anderen Veränderungen mit detailreichem Spiel.

Das Zentralwerk im Programm aber ist das Stück „Réflexion et lumière“, eine erst im Vorjahr entstandene Komposition des Deutschen Robert Helmschrott, der in dieser Hommage an Albert Schweitzer dessen Initialen A. S. mit dem Intervall A und Es, einem Tritonus, zum Thema gemacht hat. Berchtel zieht bei der Wiedergabe dieser auf der Höhe der Zeit stehenden österreichischen Erstaufführung wörtlich alle Register, modelliert virtuos zupackend und bringt mit scharfen Kontrasten zwischen einer 4-Fuß-Flöte und dem vollen Werk eine überwältigende Finalwirkung zustande, die noch mit dem Glockenregister gekrönt wird.

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