Aus einem übervollen Musikerherzen

Kultur / 23.10.2013 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Maria Erlacher, Sopran, und Helmut Binder an der Truhenorgel.
Maria Erlacher, Sopran, und Helmut Binder an der Truhenorgel.

Helmut Binder feierte sein 30-Jahr-Jubiläum in Herz-Jesu mit einem Konzert.

Bregenz. Langzeit-Organisten, die einer Pfarrgemeinde über Jahrzehnte die Treue halten, sind selten. Der 52-jährige Bregenzer Helmut Binder ist so einer, seit 30 Jahren als Hauptorganist der Pfarre Herz-Jesu. Er feierte dieses Jubiläum jüngst mit zahlreichen Freunden. Musikalisch natürlich, in einem Konzert im Rahmen der von ihm ins Leben gerufenen und kuratierten Reihe „Musik in Herz-Jesu“, bei dem er selber auch als Solist auftrat. 30 Jahre lang als Hauptorganist einer Kirche verbunden zu sein, das heißt in der Praxis Tausende von Gottesdiensten musikalisch zu gestalten, im Winter in der kalten Kirche mit klammen Fingern die Tasten zu bedienen. Bei Helmut Binder ist es noch weit mehr, denn er hat seinen „Dienst“ nie als bloße Routine gesehen. Er ist bei den Gläubigen wie bei den Priestern dafür bekannt und geschätzt, dass er in seinen ­Vor-, Zwischen- und Nachspielen stets auf die Besonderheiten der Liturgie eingeht, dementsprechend neben großer Orgelliteratur aus einem übervollen Musikerherzen heraus auch die Stimmung eines Tages auf meisterliche Art improvisierend einfängt und kommentiert. Das gilt, neben seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit, bis heute als ein Markenzeichen dieses Organisten, der im Hauptberuf seit 2010 als Professor für Orgel am Landeskonservatorium wirkt.

Zum Jubiläum hatte er sich mit Guntram Simma und dessen Collegium Instrumentale Dornbirn langjährige Freunde und Wegbegleiter eingeladen, gemeinsam gelingt ihnen eine gute Stunde intensiven Musizierens auf hohem Niveau, dazu große stilistische Vielfalt unter voller Ausnützung des in seiner Akustik bekanntermaßen nicht unproblematischen Kirchenraumes.

Glänzender Eindruck

Zunächst postiert sich das Orchester im Altarraum für Haydns frühes Orgelkonzert C-Dur als reizende Spielmusik. Helmut Binder gestaltet den Solopart im Dialog mit den flinken Streichern an der Enzenhofer-Truhenorgel silbrig hell und völlig natürlich. Einen glänzenden Eindruck in der Mozart-Motette „Venti fulgura procellae“ hinterlässt die international tätige österreichische Sopranistin Maria Erlacher. Das koloraturenfreudige Werk scheint ihr gerade recht, um ihre halsbrecherische vokale Geläufigkeit und Höhe zu demonstrieren – alles blitzsauber, gekonnt und mit einer Stimme, die in dramatischen Momenten auch Opernerfahrung signalisiert.

Nach dem Umzug des Orchesters auf die Empore dann das Kontrastprogramm mit dem Orgelkonzert (1993) des Schweizers Paul Huber (1918–2001). Das dreisätzige neoklassizistische Werk ergeht sich in seinen drei Sätzen in bombastisch sakralem Wohlklang mit Pauken und Trompeten und tönt ziemlich altmodisch. Dennoch ist es ein interessantes Zeitdokument, bei dem vor allem auch Dirigent Guntram Simma gefordert ist, der dabei das Kunststück einer ordentlichen Balance und klarer klanglicher Abgrenzungen im Raum zustande bringt. Und das Helmut Binder, diesmal an der Behmann-Orgel, Gelegenheit zu zart schimmernden Klängen im zweiten und virtuos gemeisterten Toccata-Passagen im dritten Satz gibt. Einen pompöseren Schlusspunkt hätte man sich kaum vorstellen können.

Nächstes Konzert in Bregenz Herz-Jesu: 28. Dezember, 20 Uhr, Weihnachtsmusik

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