Der Saum am Mantel Gottes

Kultur / 24.10.2013 • 22:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit Otmar Burtscher ist im Rohnerhaus in Lauterach ein interessanter Maler aus Vorarlberg wiederzuentdecken. Foto: AG
Mit Otmar Burtscher ist im Rohnerhaus in Lauterach ein interessanter Maler aus Vorarlberg wiederzuentdecken. Foto: AG

Das Rohnerhaus zeigt eine Auswahl der Werke von Otmar Burtscher (1894–1966).

Lauterach. Die Schneeglöckchen türmen sich zu einer ­Pyramide auf, ein türkises Dreieck mit bunten Kanten wird zum in die Fläche geklappten Tisch als Bühne für eine Vase, und über allem leuchten Blumen in den schönsten Farben. Die Welt, die sich Otmar Burtscher (1894–1966) ermalt hat und die Gegenstand einer äußerst sehenswerten Ausstellung im Lauteracher Rohnerhaus ist, stellt nicht nur die Perspek­tive auf den Kopf.

Fantastischer Gegenentwurf

Geboren 1894, bis zu seinem Tod in Altach wohnhaft, kehrte Otmar Burtscher als Invalide aus dem 1. Weltkrieg heim, war anschließend bei der Militärmusik, als Kulissenmaler und als Stickereiarbeiter tätig. Seinen Beruf nie länger als nötig ausübend, malt Burtscher ab 1940 und immer wieder Blumenbilder, wenn er „inspiriert“ ist und das Geld für Farbe und Malutensilien zusammen hat. Dann und wann unterstützten ihn Künstlerfreunde wie Walter Khüny, doch ging Burtschers Mittellosigkeit soweit, dass er Bilder gegen Brot eintauschte. Losgelöst von dieser Misere ist Otmar Burtschers künstlerischer Kosmos ein phantastischer Gegenentwurf zur Lebensrealität eines als Außenseiter oder als naiv betitelten Künstlers, der auch nach seinem Tod nur Insidern ein Begriff blieb, auch wenn sich seine Arbeiten in zahlreichen privaten Sammlungen, sowie im Kunstmuseum St. Gallen und im Vorarlberg Museum in Bregenz befinden.

Geigenspiel an Heiligabend

Anekdoten um den Einzelgänger, wie jene vom Geigenspiel an Heiligabend vor der Altacher Kirche, treffen auf seine teils erhaltenen und zugänglichen, zuweilen wirr anmutenden Aufzeichnungen, die Burtscher als (technisch) aufgeschlossenen Denker, aber auch als Mystiker darstellen. Ein fotografischer Blick in das Innenleben seines bunt bemalten Hauses in Altach, wo auch seine Gemäldeausstellungen (die einzigen zu Lebzeiten) stattfanden, zeugt von der Religiosität des Künstlers, verrät aber auch seine Quellen. Heiligenbilder, Ansichtskarten, exotische Mitbringsel, Reproduktionen Alter Meister und gar ein „Künstleraltar“, der hinter einem Vorhang verborgen werden konnte – Burtscher war nicht der naive Blumenmaler, seine Vorbilder waren vielfältig. Unbestritten bleibt hingegen sein schöpferischer Drang, seine ureigenste Art, die Dinge zu sehen und zu malen. Ein wesentliches Ausdrucksmittel Burtschers war die Farbe.

Expressive Energie

Nicht als bloße Wiedergabe einer bunt-dinghaften Welt kulminiert die mit unbändiger Energie expressiv aufgebrachte Farbe in den Blumenbildern, wo sie mit dem Gegenstand förmlich verschmilzt. „Blumen sind der Saum am Mantel Gottes!“, notierte Burtscher auf einem der Bilder, die (häufig) auch rückseitig bemalt waren. Ausgesprochen dramatisch wirken hingegen die figürlichen Szenen, die wohl religiösen Ursprungs oder vom Theater inspiriert sind. Die von Herbert Aselmann kuratierte Ausstellung zeigt nicht nur eine nie da gewesene Fülle von Werken Burtschers, als Eintauchen in leuchtende Farbwelten. Im Zuge des kunsthistorischen Sichtens der Archivalien konnte auch ein truhenartiger Kasten ausfindig gemacht werden, den der Künstler bemalt hat und der mit der Trompete Burtschers und seiner Adaption eines Angelika-Kauffmann-Porträts ein echtes Burtscher-Ensemble abgibt.

Die Ausstellung ist im Rohnerhaus in Lauterach (Kirchstraße 14) bis 19. April 2014 geöffnet, Mi bis Sa, 11 bis 17 Uhr, Fr, 11 bis 20 Uhr

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