So virtuos gesprungen wie einst geklimpert

Kultur / 24.10.2013 • 20:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Show „Red Bull Flying Bach“ kommt am 12. und 13. April ins Bregenzer Festspielhaus.

Die Show „Red Bull Flying Bach“ kommt am 12. und 13. April ins Bregenzer Festspielhaus.

Der junge Breakdance und der alte Bach, die passen zusammen, dass einem Augen und Ohren übergehen.

Bregenz. (VN) Dass Johann Sebastian Bach, ja der große Orgel- und Klaviervirtuose des Barock, der 1685 in Eisenach das Licht der Welt erblickte und 1750 in Leipzig starb, nicht nur von sämtlichen Organisten geradezu ehrfürchtig geschätzt wird, sondern auch von so manchem Pop-Musiker, der die Themen in Nummern einfließen ließ, die dann nicht selten zu Welthits wurden, ist Hellhörigen bekannt.

Ein besonderes Beispiel ist „Everythings’s Gonna Be Alright“ von Sweetbox aus den späten 1990er-Jahren, einem Stück, in das Bachs Air aus der Ouvertüre Nr. 3 in D-Dur einfließt. Die, die das super- geil fanden und mit Barock nichts, aber auch schon gar nichts am Hut hatten, waren wohl sehr erstaunt, als sie erfuhren, dass es sich dabei um eine Melodie des alten Bachs handelte, die nur neu interpretiert wurde. Und da man weiß, dass der Thomaskantor durchaus Humor besaß, kann man auch davon ausgehen, dass er dieses Treiben mit einem Lachen kommentieren würde.

Herausforderung

Die Frage, inwiefern Bachs großes Thema, nämlich die Fuge, mit nicht nur zeitgemäßen, sondern auch populären Choreografie-Ideen korrespondiert, das haben die Flying Steps, ihres Zeichens Weltmeister im Breakdance, gemeinsam mit Christoph Hagel, einem Opernregisseur, und Vartan Bassil, einem ausgewiesenen Tanzfachmann, als Herausforderung genommen.

„Red Bull Flying Bach“

Das Ergebnis heißt „Red Bull Flying Bach“ und kommt derart virtuos und gleichzeitig frisch daher, dass sich für das Projekt nicht nur altehrwürdige Türen wie jene des Wiener Burgtheaters öffneten, sondern, dass die Menschen überall dort, wo die Produktion hinkam, begeistert waren. „Zwei Welten verschmelzen in einer furiosen, unvergleichlichen Show zwischen Musik, Akrobatik und Tanz“, hieß es beispielsweise in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

„Man denkt, dass Bach für ganz bestimme Kreise ist und Breakdance für ganz bestimmte Räume wie etwa die Straße“, erklärt Regisseur Christoph Ha­gel. „Was wir hier versuchen, ist, Breakdance in die so­genannten heiligen Hallen zu bringen und Bach zur Jugend auf die Straße.“ Das klingt logisch, setzt aber nicht nur perfektes Können, sondern auch einigen Mut voraus. „Das Wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach trifft auf die Flying Steps, den Weltmeistern im Breakdance. Mit einer völlig neuartigen Kombination aus Hochkultur und Urban Art stellt man unter Beweis, wie wunderbar sich Barock, Beats und Breakdance ergänzen können“, heißt es so schön in den Werbetexten.

Wer tiefer gräbt, erfährt von Vartan Bassil, dass es „bei normalen Breakbeats so ist, dass du die Musik hast und das choreografierst, wir betanzen aber nicht nur die Musik, sondern auch die Stimmen. Für ein Stück, das nur ein bis zwei Minuten dauert, haben wir mehrere Tage gebraucht, erst als wir die Musik verstanden haben, konnten wir sie choreografisch in unsere Sprache übersetzen.“ Was die Menschen so begeistert, das ist im kommenden Jahr auch in Vorarlberg zu sehen.

Bei normalen Breakbeats ist es so, dass du die Musik hast, wir betanzen aber auch die Stimmen.

Vartan Bassil

Wir versuchen, Breakdance in die heiligen Hallen zu bringen und Bach zur Jugend.

Christoph Hagel
So virtuos gesprungen wie einst geklimpert

Die Aufführungen finden am 12. und 13. April 2014 im Bregenzer Festspielhaus statt. Tickets sind erhältlich unter www.redbullflyingbach.at, www.oeticket.at und www.ticketmaster.at und allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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