Wir müssen alle verrückt sein

Kultur / 24.10.2013 • 20:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Dürrenmatts „Die Physiker“ in der Regie von Herbert Fritsch am Schauspielhaus Zürich. Foto: Schauspielhaus/Dorendorf
Dürrenmatts „Die Physiker“ in der Regie von Herbert Fritsch am Schauspielhaus Zürich. Foto: Schauspielhaus/Dorendorf

In der Schweiz kommt ein bekanntes Beispiel der Theatergeschichte in die Gummizelle.

Zürich. (VN-cd) Sie klettern Wände hoch, schaffen Saltos aus dem Stand und kriegen doch nie festen Boden unter die Füße: Wenn Herbert Fritsch, der in Berlin für seine Arbeiten auch dann bejubelt wurde, wenn der gesamte Text eines Abends nur noch aus Gemurmel bestand, nach Zürich kommt, dann ist seine Handschrift sofort erkennbar. Schauspieler in grellbuntem Outfit vollbringen in gummierter Umgebung in erster Linie akrobatische Leistungen. Dass das dem Publikum gefällt, obwohl es sich nicht um einen Komödienklassiker handelt, sondern um Dürrenmatts berühmte „Physiker“, ist nun am Schauspielhaus zu erleben.

Dort, wo die Geschichte der Herren, die sich vor der Welt verstellen und verbarrikadieren, damit ihre (Atom-)Forschungsergebnisse kein Unheil anrichten können, 1962 uraufgeführt wurde, steht nun nur eines im Raum – wir müssen alle verrückt sein. Denn nur nach dieser Formel hätte Fritsch nicht den Fehler begangen, sein Regiekonzept einem Stück einfach überzustülpen. Dass er mit Corinna Harfouch und Co. biegsame Jünger seiner Ideen gefunden hat, macht „Die Physiker“, die demnächst auch am Vorarlberger Landestheater inszeniert werden, in Zeiten von Reaktorkatastrophen nicht brisanter, aber spannend.

Zahlreiche Aufführungen ab 29. Oktober. Dauer: ca 100 Minuten. www.schauspielhaus.ch

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