Von großen, aber attackierten Europäerinnen

Kultur / 27.10.2013 • 22:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Werk und auch die Standpunkte von Alice Schwarzer stießen auf großes Interesse. Foto: Ingrid Delacher
Das Werk und auch die Standpunkte von Alice Schwarzer stießen auf großes Interesse. Foto: Ingrid Delacher

Zum krönenden Abschluss einer hervorragenden Ausstellung war Alice Schwarzer im Frauenmuseum.

Hittisau. (VN-cd) Frauen, die als Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Künstlerinnen oder auch Visionärinnen die Gesellschaft veränderten und dabei nicht selten erfolgreich mehr Gerechtigkeit und Humanität einforderten, waren in den letzten Monaten in der Ausstellung „Große Europäerinnen“ im Frauenmuseum Hittisau nicht nur anschaulich präsent, die Taten stießen auch auf enormes Interesse. Erkennbar ist das beispielsweise, so Museumsleiterin Stefania Pitscheider Soraperra, an der Tatsache, dass Besucher so oft nach Vertiefung begehrten, dass über 200 Führungen veranstaltet wurden.

Von Hittisau nach Meran

Der Einblick in die aufschlussreichen Biografien wie jener der Schweizer Bundespräsidentin Ruth Dreifuss oder von Ayaan Hirsi Ali, die 1969 in Mogadischu geboren wurde und in den 1990er-Jahren vor einer Zwangsverheiratung in die Niederlande flüchtete und dort Abgeordnete wurde, kommt nun von Hittisau ans Frauenmuseum in Meran. Eine Institution in Hamburg hat zudem Interesse an der Übernahme der Ausstellung bekundet.

Die Kurzfassungen der Biografien hat übrigens die prominente Frauenrechtlerin Alice Schwarzer erstellt, nicht verwunderlich, dass ihr Vortrag zum Finale der Ausstellung seit Längerem ausverkauft war.

Prostitution verbieten

Abgesehen davon, dass ihre Auftritte immer noch von Fragen nach der besten Abwehr gegen Attacken begleitet sind, verließ die Autorin und Herausgeberin ihre Zuhörerinnen und Zuhörer nicht ohne ein paar brisante Aussagen. Banale Angriffe wehrt man also am besten ab, in dem man sie in Ruhe wiederholt und den Angreifer somit bloßstellt, was ein anderes Thema, nämlich die Prostitution betrifft, legte Schwarzer ihre klare Position dar.

Sie tritt für ein Verbot ein und hat inzwischen weitere kluge Köpfe von ihrem Anliegen überzeugt. Als wesentliches Argument gegen die Legalisierung – wie sie auch in Vorarlberg diskutiert wird – führt Schwarzer die Tatsache ins Treffen, dass Prostitution etwa in Deutschland so gut wie immer mit Menschenhandel einhergehe. Den Prostituierten solle unsere Solidarität gelten, nicht aber der Menschenhandelsmafia und den Zuhältern. Dass es sich bei ihrem Anliegen um ein sehr komplexes Thema und eine Vision handle, räumte sie ein, dem Einwurf, dass es realitätsfremd sei, begegnete sie mit dem Verweis auf die Abschaffung der Sklaverei. Damals habe man auch gemeint, dass die Wirtschaftssysteme ohne Sklaverei zusammenbrechen. ##Christa Dietrich-Rudas##

Ab 23. November wird im Frauenmuseum eine Ausstellung mit Arbeiten von Anne-Marie Jehle (1937–2000) gezeigt

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