Natter verlässt Leopold Museum und heizt Kunstrückgabediskussion an

Kultur / 28.10.2013 • 23:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Groß ausgezeichnet und zurückgetreten: Tobias Natter. Foto: LM

Groß ausgezeichnet und zurückgetreten: Tobias Natter. Foto: LM

Bei der Verleihung eines Preises unterstrich der Kunsthistoriker die hohe politische Brisanz seines Rücktritts.

Wien. Gestern Abend wurde der museologische Direktor des Leopold Museums, Tobias G. Natter, mit dem „oscART“ gewürdigt. Der renommierte Museumsmann aus Vorarlberg erhielt den Preis vom Landesgremium des Wiener Kunsthandels für herausragende Verdienste. Bei der Preisverleihung bedankte sich Natter für die Auszeichnung und erklärte gleichzeitig, er habe sich entschieden, als Direktor des Leopold Museums zurückzutreten.

Als Grund nennt Natter die Vorkommnisse um die Errichtung der jüngst erfolgten „Klimt-Ucicky-Foundation“. Die „Gustav Klimt / Wien 1900 – Privatstiftung“ (kurz Klimt-Ucicky-Foundation) wurde am 24. September 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt und sorgt seitdem in der Fachwelt für Irritationen. Sie umfasst 14 hochkarätige Werke von Gustav Klimt, die aus der Sammlung von Gustav Ucicky (1899–1961) stammen. Ucicky war einer der führenden Filmregisseure der NS-Zeit, der mit dem Propagandafilm „Heimkehr“ ein übles Machwerk des NS-Filmschaffens drehte. Der Vermögenswert der in die Klimt-Ucicky-Foundation eingebrachten Klimt-Werke wird von Experten auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.

Vorsitzender der neuen Stiftung ist Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold Museums. Stiftungsanwalt ist Andreas Nödl, der als Mitglied des Vorstands der Leopold Museum Privatstiftung ebenfalls eng mit dem Leopold Museum verbunden ist. In der Personalunion von Peter Weinhäupl als Vorstandsvorsitzender der Klimt-Ucicky-Foundation und gleichzeitig als kaufmännischer Direktor des Leopold Museums sieht Tobias G. Natter eine Unvereinbarkeit. Hingegen hat der Vorstand des Leopold Museums erklärt, keine Inkompatibilität zu erkennen.

„Musste Konsequenzen ziehen“

„Ich musste die Konsequenzen ziehen“, erklärte Natter gestern Abend gegenüber den VN. Die Sache sei tragisch genug, meinte er, er habe aber diesen Schritt gesetzt und nun müssten die Beteiligten Position beziehen.

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