Der Ruf als Raubkunst-Haus bleibt

Kultur / 29.10.2013 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Freundinnen I“ aus der Sammlung Ucicky ist eines der Werke, das in die Klimt-Stiftung eingebracht wurde. Foto: Klimt Foundation, Thumberger
„Freundinnen I“ aus der Sammlung Ucicky ist eines der Werke, das in die Klimt-Stiftung eingebracht wurde. Foto: Klimt Foundation, Thumberger

Das Leopold Museum will mehr Geld vom Staat, hat aber zuvor einiges offenzulegen.

Wien. „Tobias Natter lässt einen Scherbenhaufen zurück“, ließ Elisabeth Leopold, die Witwe des Sammlers und Museumsgründers Rudolf Leopold, gestern, einen Tag nach dem überraschenden Rücktritt des museologischen Direktors, die Öffentlichkeit wissen. Sie sagte damit mehr, als sie wahrscheinlich offenbaren wollte. Das Motiv vom Scherbenhaufen griff die Israelitische Kultusgemeinde Wien umgehend indirekt auf und empfahl in einer Aussendung die Auflösung des Museums und die Eingliederung der Werke in öffentliche Institutionen. Das durchaus begründet.

Fragwürdige Vorgänge

Man erinnert sich: Vor knapp zwanzig Jahren brachte der Sammler seine über 5000 Werke in die Leopold Museum Privatstiftung ein. Die Republik Österreich hatte dafür, wie ausführlich dokumentiert, eine ordentliche Summe an Steuergeld aufgewendet und – was damals schon heftig diskutiert wurde – Leopold und seiner Familie großzügig freie Hand gelassen. Auch bei der strukturellen Konzeptionierung des Museums.

Noch vor der Eröffnung des Gebäudes im Wiener Museumsquartier brachte sich Leopold mit der fragwürdigen Herkunft einiger Werke in die internationalen Schlagzeilen. Die in Österreich verabsäumte Provenienzforschung ließ sich nicht mehr vertuschen. Inzwischen wurde zwar nach und nach klar, dass die Sammlung auch Raubkunst enthält (also Werke aus von den Nazis enteignetem jüdischem Besitz oder solche, die die Flüchtenden unter Zwang veräußerten), lückenlos aufgearbeitet sind die Fälle nicht. Kurz gesagt, auf dem Museum lastete der Raubkunst-Vorwurf, der sich auch dadurch erhärtete, dass man sich stets darauf berief, dass das Kunstrückgabegesetz hier nicht anwendbar sei, weil sich die Bilder nicht im Eigentum der Republik befinden. Selbst nach dem Einsatz unabhängiger Provenienzforscher blieb das Museum mit seiner Entschädigungspolitik in der Kritik.

Auch Tobias Natter, der 2011 eingesetzte museologische Direktor, war und ist damit befasst. Direkt mit den Betroffenen Lösungen zu finden, schien ein Weg zu sein, den der Vorstand gemeinsam und transparent zu gehen habe, entnahm man seinen ersten Äußerungen. Da dies nicht mehr gegeben ist, zog Natter, wie gestern berichtet, die Konsequenzen und reichte die Kündigung ein. Nachdem er deutlich machte, dass eine Inkompatibilität besteht, wenn der kaufmännische Direktor des Leopold Museum, Peter Weinhäupl, Vorstandsvorsitzender einer neuen, „völlig intransparenten“ Klimt Foundation ist, war die Gegenseite am Zug.

Stellung bezogen

Elisabeth Leopold hat im Grunde genommen schon Position bezogen, als sie gestern gegenüber der Austria Presse Agentur erklärte, im Stiftungsvorstand bei der Bewertung der Nebentätigkeit von Weinhäupl überstimmt worden zu sein.

Ihre Aussage, dass es sie stört, nun wieder mit Raubkunst in Verbindung gebracht zu werden, unterstreicht die Tatsache der kritikwürdigen Handhabung der Sammlungsbestände dieser Foundation. Dass das Leopold Museum um eine Anhebung der Subventionen kämpft, mag plausibel sein. Bei der Bewertung, inwieweit sie dem „Scherbenhaufen“ zustehen, ist die Politik gefordert. Auf Natters Konto geht dieser jedenfalls nicht. Kollege Klaus Albrecht Schröder, Leiter der Albertina, attestierte ihm gestern eigens „große moralische Integrität“. ##Christa Dietrich-Rudas##

Natter und Weinhäupl: Die Causa ist mehr als ein Direktorenstreit.
Natter und Weinhäupl: Die Causa ist mehr als ein Direktorenstreit.

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