Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Natters Schritt hat starke Folgen

Kultur / 30.10.2013 • 22:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Art, wie Tobias Natter, der museologische Direktor des Wiener Leopold Museum, vor wenigen Tagen Position bezogen hat, ist ansonsten selten zu beobachten, denn auch im Kulturbetrieb achten Personen bei georteten Unvereinbarkeiten oder Missständen darauf, ihrer Karriere nicht unbedingt zu schaden. Dass Vorstandsmitglieder besagten Museums in gleicher Funktion für eine jüngst gegründete Klimt-Foundation tätig sind, die mit Raubkunst-Vorwürfen konfrontiert ist, ist nicht nur der Grund für den Rücktritt des Kunsthistorikers aus Vorarlberg, die nun besonders laut gewordene Tatsache hat weitere bzw. starke Folgen. Provenienzforschung zuzulassen, wie es die Klimt-Foundation, die über Werke aus der Sammlung des Nazi-Filmers Ucicky verfügt, nun angekündigt hat, dürfte nicht genügen. Ausschlaggebend ist auch, mit welchen moralischen Grundsätzen man Restitution handhabt.

Die Kulturpolitik hätte da ein reiches Aufgabenfeld, denn unrühmliche Beispiele gab es in der Vergangenheit genug. Mit dem aufzuarbeitenden Konflikt im Leopold Museum, der nun eine weitere Dimension erhält, weil Elisabeth Leopold, die Sammler-Witwe, kundtat, mit den Entscheidungen im Vorstand doch nicht einverstanden gewesen zu sein, die notwendige Reformierung der österreichischen bzw. Wiener Museumslandschaft in Verbindung zu bringen, scheint allerdings wenig zielführend zu sein. Die inhaltlichen Konzepte der Häuser, die Raum­situation und nicht zuletzt die Finanzierung sind seit Jahren mehr oder weniger brachliegende Themen. Sie sind separat zu erarbeiten. Natters Vorstoß ist nicht als Chance zu sehen, persönliche oder die Interessen einer Gruppierung durchzusetzen. Das Leopold Museum ist zuerst einmal ein zu klärender Einzelfall.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225

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