Religion ist männlich, der Glaube nicht unbedingt

Kultur / 30.10.2013 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit „Angezogen duschen“ präsentiert die bekannte Vorarlberger Regisseurin Brigitta Soraperra ihres erstes Theaterstück. Foto: SEM
Mit „Angezogen duschen“ präsentiert die bekannte Vorarlberger Regisseurin Brigitta Soraperra ihres erstes Theaterstück. Foto: SEM

Brigitta Soraperra zeigt, welche Strategien Frauen in Sachen Spiritualität ent­wickeln.

Schlins, Zürich. (VN-cd) „Es mag irritieren, aber bei meinen Interviews für das Stück haben mir Frauen erzählt, dass sie Geschlechtsgenossinnen kennen, die aus religiösen Gründen selbst unter der Dusche nicht ganz nackt sind“, erklärt Brigitta Soraperra den Titel ihres neuen Theaterprojekts. „Die Körperfeindlichkeit ist fast in allen großen Religionen vorhanden, jedenfalls im Christentum und im Islam.“

Für ihr Stück „Angezogen duschen“, das am 8. November in Zürich uraufgeführt wird, hat sie 15 Frauen interviewt, die ihre Sozialisierung in verschiedenen Kulturkreisen erlebten und nun in der Schweiz wohnen. „Mich hat interessiert, wie es den Frauen mit den patriarchalisch organisierten Religionen geht“, erläutert die Vorarlberger Regisseurin die Ausgangslage zum Stück, das einem Projekt ähnelt, das sie vor einigen Jahren sehr erfolgreich gemeinsam mit Annette Raschner im Rahmen der Bregenzer Festspiele realisierte. Für den Theaterabend „Liebesdienste“ wurden Sexarbeiterinnen in Vorarlberg zu Jobbedingungen, Freiern, Kriminalität und Abhängigkeit von Zuhältern befragt. Herausgekommen ist ein differenziertes Bild, das einerseits besagt, dass die Gesetzgeber längst Handlungsbedarf haben, andererseits aber auch Machtstrukturen und die Erbärmlichkeit menschlicher Charaktere darlegt.

„Frauen haben durchwegs eine kritische Haltung zu ihrer Religion entwickelt“, hat sie nun erfahren. Es sei zwar ein großes Bedürfnis nach Spiritualität vorhanden, abgesehen von einer Buddhistin und einer Zeugin Jehovas finden die Frauen diese in ihren Herkunftsreligionen aber kaum oder gar nicht. Bis zum täglichen Aufsagen von Formeln hätten die Befragten deshalb Strategien entworfen, um Religiosität zuzulassen. Mitunter kommt eine politische Dimension dazu, eine Frau bezeichnete sich betont als Muslima, kleidet sich aber ebenso bewusst symbolfrei.

„Die Vögel“ in der Ruine

Eine große Aufgabe kommt auf Brigitta Soraperra im kommenden Jahr in Vorarlberg zu. Sie inszeniert das Stück „Die Vögel“ in der Ruine Jagdberg in Schlins. Komponist Gerold Amann bezieht sich auf das Drama von Aristophanes, in dem es um Machtstrukturen und deren humorvolle Entblößung geht. Eine Herausforderung wird es sein, den Stoff mit einem großen Chor zu vermitteln, der sich nur lautmalerisch äußert.

Mich hat interessiert, wie es den Frauen mit den patriarchalisch organisierten Religionen geht.

Brigitta Soraperra
Religion ist männlich, der Glaube nicht unbedingt

Die Premiere von „Angezogen duschen“ findet am 8. November am Kulturmarkt in Zürich statt: www.theatersem.ch. Die Premiere von „Die Vögel“ findet am 3. Juli 2014 auf der Ruine Jagdberg in Schlins statt

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