Wie ein Sherlock Holmes

Kultur / 29.11.2013 • 19:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Unter dem Pseudonym Robert Galbraith hat die „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling einen beachtenswerten Krimi vorgelegt.  Foto: AP
Unter dem Pseudonym Robert Galbraith hat die „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling einen beachtenswerten Krimi vorgelegt. Foto: AP

J.K. Rowling hat als Robert Galbraith hat einen Krimi geschrieben, den es nun in deutscher Sprache gibt.

Kriminalroman. Dass sie Fantasie im Übermaß besitzt, weiß seit „Harry Potter“ die ganze Welt. Dass sich J.K. Rowling darauf versteht, eine düstere und spannungsgeladene Atmosphäre zu schaffen, ebenfalls. Die besten Voraussetzungen also, um sich einem Genre zuzuwenden, das genau jene Zutaten braucht: dem Kriminalroman. Die Britin hat es gewagt – wenn auch unter dem Pseudonym Robert Galbraith – und mit ihrem Debüt „Der Ruf des Kuckucks“ erstmals einen Thriller vorgelegt. Und er beginnt – natürlich – mit einem Todesfall.

Vielschichtig

Das junge erfolgreiche Model Luna Landry stürzt von seinem Balkon in den Tod. Von der Polizei wird der aufsehenerregende Fall als Suizid eingestuft. Es gibt nur wenige Zweifler, denn Luna galt als depressiv. Und doch beauftragt Lunas Bruder John Bristow einen Privatdetektiv, um die näheren Umstände des angeblichen Selbstmordes seiner Schwester aufzuklären. Klar ist beizeiten, dass der angebliche Suizid tatsächlich ein Mordfall ist. Doch wie Rowling zur Lösung hinführt, ist so vielschichtig, dass auch der geübteste Krimi-Leser immer wieder auf die falsche Spur geschickt wird. Es ist ein mühsamer Weg, den der schwergewichtige Strike und seine aufgeweckte Partnerin in den kommenden Wochen beschreiten, wobei sich der Ermittler selbst erst einmal von der Selbstmordtheorie verabschieden muss. Unendlich viele Nebenspuren, zahlreiche fruchtlose Befragungen und nervenaufreibende private Probleme fordern ihren Tribut. Strike gerät dabei nicht nur körperlich nahe an den Abgrund, sondern auch in höchste Gefahr. Robin wird sein Halt, und allmählich bedauert er, dass die quirlige Sekretärin nur vorübergehend für ihn arbeitet.

Wunderbar gezeichnet

Mit Strike ist der Autorin eine wunderbar gezeichnete Figur gelungen. Er ist zwar kein Sherlock Holmes und stellt seine Kombinationsgabe nicht zur Schau, aber er beweist nicht selten dessen Spürsinn. Sein oft (nach-)lässiges Äußeres wurzelt in seiner bizarren Vergangenheit, sein ganzes Auftreten ist ein einziges Understatement, und seine Sensibilität versteckt er geschickt hinter einer wortkargen Fassade. Auch Robin ist eine überzeugende Mitspielerin und der ambitionierte Gegenpol zum introvertierten Detektiv. Es wäre schön, wenn sich die Britin zu weiteren Krimis mit diesem neuen Gespann entschließen würde, denn es besitzt bereits Suchtpotenzial.

Um es zusammenzufassen: „Der Ruf des Kuckucks“ ist ein guter Krimi mit Spannung und Schmackes und einem interessantem Ende – auch wenn die Logik mitunter ein wenig holpert. Das Debüt ist Rowling alias Galbraith unbedingt gelungen.

Robert Galbraith (J.K. Rowling): „Der Ruf des Kuckucks“, Verlag Blanvalet, 640 Seiten.