Kinderglück und wie es spürbar wird

Kultur / 23.12.2013 • 20:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Den Landeskinderchor gibt es seit vier Jahren. 50 Kinder sind jeweils für ein Jahr dabei. Foto: VN
Den Landeskinderchor gibt es seit vier Jahren. 50 Kinder sind jeweils für ein Jahr dabei. Foto: VN

Strahlende Kinderaugen machen Weihnachten noch schöner – singende Kinder strahlen.

Christa Dietrich

Schwarzach. Weihnachten ist dann, wenn sich ereignet, wonach wir alle trachten, nämlich dass uns jemand strahlend begegnet. Werbeprofis lassen keine Chance aus, uns zu suggerieren, dass wir mit diesem oder jenem Produkt glänzende Kinderaugen ernten. Schließlich ist das ihr Job.

Pädagogen wissen, wie wir sonst erreichen können, dass sich so etwas wie echtes Glück einstellt. Ein Kind, das zum Singen motiviert wird, das dabei etwaige Hemmungen überwindet, das sich öffnet und spürt, wie schön ein Ton klingt, dieses Kind ist glücklich. Dass es im Alltag nicht so einfach ist, mehr oder überhaupt mit den Kindern zu singen, das weiß Birgit Giselbrecht-Plankel. Die Sopranistin, die bekanntermaßen schon als Kind mit ihrem Gesang begeisterte, und die Leiterin diverser Chöre sowie des erst vor vier Jahren gegründeten Landeskinderchores ist, kennt sich aus.

Positive Effekte

Die Adventzeit und Weihnachten bieten eine gute Gelegenheit, sich die positiven Effekte des Singens wieder einmal klarzumachen und entsprechend zu handeln. Das Gespräch mit der Fachfrau erwies sich als besonders aufschlussreich. Kinder sind dann zu motivieren, erklärte sie, wenn man selbst von einer Sache überzeugt ist, wenn man im positiven Sinne dafür brennt. Abgesehen davon, dass Singen einem perfekten Gehirntraining gleichkommt, dass die Vernetzung zwischen den Gehirnhälften intensiviert wird, und dass Singen eine ausgezeichnete Artikulationsschulung bedeutet, fördert es den Gemeinschaftssinn und die Lernfähigkeit. Mit dem Landeskinderchor, zu dem Kinder ab dem neunten Lebensjahr zugelassen sind, absolviert sie jeweils Projekttage. In vier Tagen können die Kinder 15 bis 20 Lieder auswendig singen. Noten- und Textblätter werden nur für die Eltern mitgegeben, damit sie die Lieder zu Hause nachsingen können.

Wer hier den Begriff Leistungsdruck einwirft, wird von Birgit Giselbrecht-Plankel aufgeklärt. „Nach mehr als 30 Jahren Erfahrung kann ich sagen, dass Kinder selbst merken, wenn etwas schön klingt, sie entwickeln selbst ein Qualitätsbewusstsein, das es zu fördern gilt, indem man ihnen beispielsweise Qualitätsvolles präsentiert oder vorspielt. Wenn jemand etwa in der Absicht, eine CD verschenken zu wollen, nicht weiß, was gut ist, rate ich dazu, genau darauf zu achten, wie sich die Sänger ausdrücken, ob sie Wortendungen verschleppen oder eben deutlich formulieren.“

Die Chancen wahrnehmen

Auch Eltern, die meinen, nicht gut singen zu können, sollten unbedingt trotzdem mit ihren Kindern singen, erklärt sie. Anders verhält es sich bei der Beurteilung von Kollegen, hier tritt die Künstlerin und Pädagogin vehement dafür ein, dass nur bestens geschulte Personen mit Bereitschaft zur Weiterbildung vor einen Chor gestellt werden. Sie habe bei Wettbewerben oft genug selbst mit anhören müssen, wie mit Kindern geschrien wird, was für sie ein absolutes Tabu ist. Die ganz Kleinen werden spielerisch an die Töne herangeführt und liebevoll angeleitet. Brach liegt, so Birgit Giselbrecht-Plankel, auch die Möglichkeit, das Singen in den Volksschulunterricht einzubauen. Diesbezüglich wollen erfahrene Chorleiter im nächsten Jahr Initiativen starten, mit Volksschullehrern in Kontakt treten. „Sie können sowohl in den Deutsch- wie auch in den Sachunterricht oder beim Rechnen das Singen einbauen“, erklärt sie. „Kinder merken sich das Vorgezeigte dann viel besser. Ich habe immer wieder Kinder bei mir, die großen Spaß daran haben, die Einmaleins-Reihe durchzusingen und die sie dann auch können.“

Beispiele für den Einstieg

Die Sorge, dass die Weihnachtslieder für kleinere Kinder schwierig  sind, kann die Chorleiterin durchaus teilen. Mit „Kling, Glöckchen“, „Leise rieselt der Schnee“ oder „Alle Jahre wieder“ könne man aber getrost beginnen. Sind die Lieder in liebevoller Runde erst einmal angestimmt, dürfte sich das begehrte Strahlen bald einstellen.

Wenn man selbst von einer Sache überzeugt ist, dann sind Kinder auch zu motivieren.

Birgit Giselbrecht-Plankel