So etwas bewegt auf alle Fälle

Kultur / 26.01.2014 • 22:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Tama Stern, Katrin Hauptmann und Barbara Camenzind in „Sisters of Swing“ am Landestheater. Foto: VN
Tama Stern, Katrin Hauptmann und Barbara Camenzind in „Sisters of Swing“ am Landestheater. Foto: VN

Drei Künstlerinnen ­sorgen dafür, dass „Sisters of Swing“ weit mehr als Nostalgie ist.

Christa Dietrich

bregenz. Nachdem „Heute Abend, Lola Blau“ von Georg Kreisler nun schon mehr als drei Jahre auf große Zustimmung gestoßen ist, musste sich das Vorarlberger Landestheater als Zweispartenhaus und zur Bespielung der kleinen Podien wieder etwas Neues einfallen lassen. Am besten also ein Stück mit Musik, das Unterhaltung und Information bietet.

Mit „Sisters of Swing“ wurde man fündig und bietet somit die österreichische Erstaufführung des Musicals von Beth Gilleland und Bob Beverage. Im Foyer des Kornmarkttheaters, wo Intendant Alexander Kubelka damit eine weitere Aufführungsstätte eröffnet, die erst nach Abschluss des neuen Hauptmietvertrages zwischen dem Theater und der Stadt Bregenz als solche ungehindert benützt werden kann, spielt es keine Rolle, dass man mit einer kleinen Besetzung aufwartet. An der Spitze stehen ohnehin die drei singenden Schauspielerinnen, ob sie eine ganze Band im Rücken haben oder eben „nur“ einen Pianisten und einen Schlagzeuger ist zweitrangig, wenn erst einmal losgelegt wird.

Dass die Stückwahl eine gute ist, bewiesen die vollbesetzten Reihen. Schließt man auf den Applaus, so könnte „Sisters of Swing“ wohl länger als bis Juni dieses Jahres im Programm sein, vorausgesetzt natürlich, dass die drei Künstlerinnen engagierbar sind. Tamara Stern, die bereits in „Lola Blau“ glänzte, trägt die Truppe, aber wie das so ist in einem Trio, bildet sich der gewünschte Klang erst bei vollem Einsatz aller Stimmen und da geben sich Barbara Camenzind, die eine profunde Gesangsausbildung und entsprechende Konzerterfahrung einbringt, sowie Katrin Hauptmann, die Schauspielerin, die sich nach und nach ein Repertoire als Sängerin erarbeitet, keine Blöße.

Geschichte der Andrews Sisters

„Six Jerks in the Jeep“, „Rum and Coca-Cola“, „Shoo-Shoo Baby“ und vor allem „Bei mir bist du schoen“ und „Carmen’s Boogie“ – wer bei Radio-Evergreens nicht sofort abdreht, dem sind die Titel geläufig, wer für Swing etwas übrig hat, der kann sie halbwegs mitsingen und wer sich auch nur ein bisschen Temperament erlaubt, den hält es ohnehin kaum auf dem Sessel. Zumindest mitwippen muss erlaubt sein, schließlich läuft „Sisters of Swing“ ja bewusst nicht bei abgedunkeltem Zuschauerraum. Abgesehen davon würde das Theaterfoyer, das sich hiermit zum Treffpunkt Kunstinteressierter mausert, mehr Clubatmosphäre durchaus vertragen.

Nicht einfach eine Kopie

Zurück zum Stück: Regisseur Marcus Harms hat sich mit einem winzigen, von Leslie Bourgeois gestalteten Auftrittspodium auf der Bühne selbst enge Grenzen gesetzt. Der Radius ist klein, die Aufgabe groß, in kurzen Szenen machen Stern, Hauptmann und Camenzind begreiflich, was sich in den 1930er-Jahren in Minneapolis abspielte, als die drei Töchter eines griechischen Restaurantbesitzers und einer Norwegerin den ersten Gesangswettbewerb gewannen und sich nach und nach gegen die damals riesige Konkurrenz im Showbiz durchsetzten. Die Inszenierungsidee geht auf, aus LaVerne Sofie, der Ältesten der Andrews Sisters, aus Maxene und Patricia, genannt Patty, die bereits als Kind auf der Bühne stand, werden immer wieder drei Interpretinnen von heute, die die Bewegungen nicht einfach kopieren, sondern mit den größten Hits der Girlgroup, die Gera Graf entsprechend eingekleidet hat, begeistern.

Bing Crosby, Les Paul, Danny Kaye oder Glenn Miller waren die Musiker, die sich für die und mit den Andrews Sisters ins Zeug legten. Nachdem der Durchbruch mit „Bei mir bis du schoen“, einem adaptierten Song aus einem jiddischen Musical, gelang, reihte sich eine goldene Schallplatte an die andere, entsprechend der Quellen haben sich die Titel der drei Schwestern an die 90 Millionen Mal verkauft.

Gesellschaftskolorit

In einem guten Maß wird in diesem Stück ein Gesellschaftskolorit aufgezeigt, das die Zeitumstände vermittelt. Zu Beginn hatten die Mädchen ihr Einkommen nämlich brav bei den Eltern abzuliefern und zur Unterhaltung der GI’s kamen sie während des Zweiten Weltkrieges auch nach Europa.

Alte Aufnahmen zeugen vom großen Komiker-Potenzial der Sisters. Ihr „Boogie Woogie Bugle Boy of Company B“ ist einzigartig. Es ist nur klug, die Finger von jeglicher Imitation zu lassen.

Den Sisters am Landestheater fehlt es keineswegs an Temperament und zudem haben sie mit Dirk Diekmann einen Conferencier an der Seite, der das gesamte Hintergrundgeschehen in kleinen Gesten zu verdichten vermag. Und dann gibt es da ja noch Ivo Bonev und Stefan Halbeisen, die für einen Sound sorgen, den man lange im Ohr trägt und der wohl noch sehr viele Anhänger finden wird. So etwas bewegt auf alle Fälle.

Nächste Aufführung am
4. Februar, 19.30 Uhr.
Weitere Aufführungen bis 18. Juni
im Foyer des Theaters am
Kornmarkt in Bregenz