Endlich zählt die Kreativität

Kultur / 27.01.2014 • 20:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tolle Performance: Beyonce und Jay-Z.  Fotos: AP
Tolle Performance: Beyonce und Jay-Z. Fotos: AP

Die großen Grammy-Gewinner sind Künstler, die als Komponisten selbst für den Erfolg verantwortlich sind.

Los Angeles. Nicht schillernde Megastars wie Rihanna, Taylor Swift oder Beyoncé gewannen bei der Gala die wichtigsten Trophäen, sondern das französische Elektro-Projekt Daft Punk, das US-amerikanische Rap-Duo Macklemore & Ryan Lewis und die junge Neuseeländerin Lorde. Die gerade mal 17 Jahre alte Newcomerin steht exemplarisch für das Neue und Selbstgemachte: Noch vor weniger als einem Jahr hatte sie ihre Songs von zu Hause aus ins Internet hochgeladen. In der Nacht zum Montag zählte der Teenager mit den langen dunkelbraunen Haaren bereits zu den großen Gewinnern und heimste zwei Grammys ein.

„Danke an alle, die diesen Song explodieren ließen“, sagte sie in Anspielung auf ihren Hit „Royals“. „Es war alles völlig übergeschnappt.“ Eigenen Angaben zufolge hat sie den Minimal-Pop-Song, der zum weltweiten Web-Phänomen wurde, im Alter von 16 Jahren in weniger als einer Stunde geschrieben.

„Get Lucky“

Die zwei Musiker von Daft Punk, die auch bei der glamourösen Veranstaltung an ihrer gewohnten Arbeitskleidung mit weißen Ganzkörperanzügen und Robotermasken festhielten, konnten insgesamt fünf Preise gewinnen. Ihr Disco-Funk-Song „Get Lucky“ gewann als „Aufnahme des Jahres“, ihr viertes Studioalbum „Random Access Memories“ wurde zum „Album des Jahres“. Das bereits seit mehr als 20 Jahren existierende Duo hatte es nahezu komplett live und – für das Genre ungewöhnlich – ohne Samples eingespielt.

Das Rap-Duo Macklemore & Ryan Lewis, die ihre Musik im Eigenvertrieb veröffentlichen, ging mit vier Auszeichnungen nach Hause – darunter auch die in der Top-Kategorie „Bester neuer Künstler“. Ihr Hit-Album „The Heist“ wurde zum „Rap-Album des Jahres“ erklärt, der Chart-Erfolg „Thrift Shop“ zur „Besten Rap Performance“. „Bevor die Medien da waren, bevor es die ganze Aufregung gab, bevor es eine Geschichte gab, gab es unsere Fans“, sagte Macklemore in seiner Dankesrede. „Ohne sie würde es uns nicht geben.“

Weltstars als Beiprogramm

Weltstars mit Charterfolgen wie Madonna, Pink, Taylor Swift oder Katy Perry legten in der Grammy-Nacht zwar spektakuläre Auftritte hin, blieben aber ohne Trophäen und wurden somit fast zu einer Art Beiprogramm bei der Feier für das Innovative und Selbstgemachte. Bereits im vergangenen Jahr waren viele junge Newcomer zu den Stars der Grammy-Verleihung avanciert. Die Juroren der veranstaltenden „National Academy of Recording Arts and Sciences“ betonen immer wieder, dass sie sich rein an der Qualität der Musik orientieren und unabhängig von Chartplatzierungen und Verkaufszahlen sind.

Gewinner aus Deutschland

Einige der Sieger kommen aus Deutschland. Das NDR-Sinfonieorchester und der Dirigent Christoph Eschenbach siegten in der Kategorie „Best Classical Compendium“ mit der Einspielung „Hindemith: Violinkonzert – Symphonic Metamorphosis – Konzertmusik, Op. 50“. Die Band Kraftwerkt bekam einen Ehrengrammy, weil sie zahlreiche große Künstler beeinflusst und die Entwicklung der elektronischen Musik geprägt hat. Produzent Zedd gewann in der Kategorie „Beste Dance-Aufnahme“. Trompeter Steffen Kühn sicherte sich mit seinem Pacific Mambo Orchestra einen Grammy in der Kategorie „Bestes Tropical Latin Album“.

Danke an alle, die diesen Song explodieren ließen. Es war ­alles völlig über­geschnappt.

Lorde
Daft Punk siegten gleich in mehreren Kategorien.
Daft Punk siegten gleich in mehreren Kategorien.