Ins Herz geschmuggelt

Kultur / 28.01.2014 • 21:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Anton Bürzle und Christine Schneider. Fotos: Verein
Anton Bürzle und Christine Schneider. Fotos: Verein

Mit guten Ideen wird aus dem alten „Gasparone“ ein erfrischendes Operetten-Vergnügen.

Christa Dietrich

Balzers. Bei „Dunkelrote Rosen bring’ ich, schöne Frau“ nicht nur jeden Ton treffen, sondern im richtigen Ausmaß schmachten und bei „Es gibt keine Männer mehr“ augenzwinkernd und temperamentvoll auftrumpfen – wenn das gelingt, ist eine „Gasparone“-Aufführung

schon fast gerettet. Der Operettenverein Balzers hat sich heuer für das 1884 uraufgeführte Werk von Carl Millöcker entschieden und kann – offensichtlich nach einer ausgiebigen Probenzeit – noch viele weitere Trümpfe ausspielen.

Zuerst muss die Regie genannt werden. Nikolaus Büchel, ein Absolvent der Hochschule Mozarteum in Salzburg, der bereits sowohl am Staatsschauspiel in Stuttgart als auch am Landestheater in Innsbruck oder an der Kammeroper Wien gearbeitet hat, erzählt das luftige Geschichtchen um Liebe und Geld so, dass die enthaltenen Stacheln, die da Eitelkeit, Standesdünkel oder einfach nur Dummheit sind, auch dann nicht abgestumpft wirken, wenn er beim vorwiegend heiteren, kulinarischen Grundton bleibt.

Der Chor schafft es – schwer genug für Amateure –, einer plausiblen Choreographie zu folgen, das Temperament der einzelnen Solisten fügt sich zu einem kompakten Ganzen. Hier wurde genau gearbeitet, hier kommen einzelne Ideen zum Tragen, und hier darf Zenobia (Sigrid Plundrich) ihr Sehnen nach einem Mann mit so viel komödiantischem Eifer vortragen, dass nie jene Peinlichkeit entsteht, von der solche Operetten mitunter gekennzeichnet sind.

Tolles Bühnenkonzept

Ist da nun echtes Wasser im Spiel oder nicht? Um ein sizilianisches Hafenstädtchen zu versinnbildlichen, in dem ein ominöser, nie selbst auftretender Räuberhauptmann mit Namen Gasparone nicht nur für willkommene Abwechslung im mehr oder weniger geruhsamen Schmuggler-Alltag, sondern auch für das Aufkeimen zumeist unterdrückter Begierden sorgt, haben Hansjörg und Werner Gstöhl ein gutes Bühnenkonzept realisiert. Boote schippern herein, für das dörfliche oder herrschaftliche Ambiente reicht pointiert platziertes Mobiliar, und nicht selten bleibt es den von Max Kaiser trefflich ausgestatteten Protagonisten überlassen, die fast leere Bühne mit Leben zu füllen.

Bei der Besetzung wurde auf Homogenität geachtet, größere Stimmen braucht es nicht, man ist hörbar gut aufeinander eingestellt und liefert profunde, überzeugende und begeisternde Leistungen. Allen voran Sigrid Plundrich als Carlotta und Peter Galliard als Erminio. Die bekannte Vorarlbergerin Christine Schneider (Sora) bringt sich mit einem verlässlichen Sopran ein und hat an Bühnenpräsenz sichtlich gewonnen. Kein leichtes Spiel für Anton Bürzle als Benozzo, aber schließlich klappt alles. Der kraftvolle Rupert Bergmann (Nasoni) und Jean-François Morin als sein Sohn Sindulfo liefern ein kontrastreiches Spiel, Simon Latzer (Luigi) hält mit viel Spielfreude mit, und Monique Vauti (Marietta) gefällt mit sicherer Höhe. Meinrad Ackermann ist ein passabler Massaccio, der – wiederum einer schönen Regieidee folgend – am Ende ebenfalls nicht allein bleibt.

Spannender Ablauf

Selbst wenn der eine oder andere Einsatz nicht lupenrein abläuft, darf man dem Chor für die Bewältigung der Partitur Rosen streuen. Willy Büchel leitet das Symphonieorchester Liechtenstein und erweist sich als sensibler Sängerdirigent, dem das Betonen einzelner Effekte nicht so wichtig ist wie ein spannender Ablauf.

Und darin liegt wohl auch die Qualität der Produktion. Die mehrfach verfilmte Operette „Gasparone“ verkommt nicht zur altbackenen Show mit Hits, mit denen sich das Publikum fangen lässt, sondern erweist sich als erfrischende Produktion mit vielen witzigen Szenen und Melodien, die sich gerade darum ins Herz geschmuggelt haben, weil sie nicht einfach routiniert, sondern durch und durch engagiert vermittelt werden.

Ein Temperamentbündel: Annette Lubosch als Zenobia.
Ein Temperamentbündel: Annette Lubosch als Zenobia.
Sigrid Plundrich als Carlotte und Peter Galliard als Erminio.
Sigrid Plundrich als Carlotte und Peter Galliard als Erminio.

Nächste Aufführung am
1. Februar, 19.30 Uhr, im Gemeindesaal Balzers. Weitere bis 22. Februar: www.operette-balzers.li