Alle gehen ihr in die Falle

Kultur / 29.01.2014 • 21:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Malena Ernman als Ruggiero und Cecilia Bartoli in der Titelrolle der Oper „Alcina“ von Händel. Foto: Oper/Rittershaus
Malena Ernman als Ruggiero und Cecilia Bartoli in der Titelrolle der Oper „Alcina“ von Händel. Foto: Oper/Rittershaus

Cecilia Bartoli liefert eine grandiose Alcina – nicht nur, weil sie ihre Liebhaber verzaubert.

Zürich. Riesenapplaus für die italienische Star-Mezzosopranistin Cecilia Bartoli im Züricher Opernhaus: Die Sängerin mit dem sprudelnden Temperament steht seit Langem an der Spitze des Klassikmarkts. Bartoli beteiligt sich aber nicht am Gastierbetrieb des globalen Opernzirkus, sondern schafft sich ihr Repertoire selbst. Seit einigen Jahren tritt sie vorzugsweise mit Ausgrabungen vergessener Komponisten oder radikalen Neudeutungen bekannter Rollen – wie etwa mit Vincenzo Bellinis „Norma“, in Erscheinung. Ausgesprochen rar sind dagegen ihre Auftritte in Opernhäusern. Umso größer war die Spannung, wie Bartoli die exponierte und hoch virtuose Sopran-Partie in Händels „Alcina“ meistern würde.

Regisseur Christof Loy deutet das Zauberreich der Alcina, laut Libretto eine einsame Insel, auf die Alcina ihre Liebhaber lockt und nach Gebrauch zu Tieren oder Steinen verzaubert, als barockes Theater. Bühnenbildner Johannes Leiacker (der in Bregenz das legendäre „Tosca“-Podium auf dem Bodensee verantwortete) zeigt opulent bemalte Prospekte und Gips-Säulen, aber auch die muffige Unterbühne und schäbige Garderoben mit abblätternden Tapeten. Die ohnehin verwickelte Handlung wird in Loys hinreißend subtiler und fein ausgearbeiteter Regie zu einem wahren Taumel der Identitäten.

Pianokünste

Maestro Giovanni Antonini wagt kontrastreiche Tempi, lässt mal Virtuoses an der Grenze zur Spielbarkeit vorbeihuschen, dann wieder dehnt er ruhige Passagen bis kurz vor den Stillstand. Das ist der ideale Boden für Bartolis berühmte Piano-und Verzierungskünste. In den höheren Lagen klingt ihre Stimme mittlerweile fast körperlos. ihre Bühnenpräsenz jedoch ist umwerfend, die Mittellage unverändert kernig und charakteristisch im Klang.

Nächste Aufführungen mit Cecilia Bartoli in der Titelpartie am
2., 5., 7., und 9. Februar. Später sind Agneta Eichenholz.