Heiß und gut gewürzt

Kultur / 07.03.2014 • 21:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kabarettistin Gabi Fleisch zeigt keine Scheu vor Feurigem.  Foto: VN/Steurer
Kabarettistin Gabi Fleisch zeigt keine Scheu vor Feurigem. Foto: VN/Steurer

Wie sich Mann und Frau am Grill erhitzen, darüber gibt Gabi Fleisch witzreich Aufschluss.

Götzis. Der Mann will grillen. Das liegt in seinen Genen und kommt noch aus der Zeit der Höhlen, Feuer und Mammuts. Das dachte sich auch Frau Ottilie Heinzle – Gabi Fleischs neue Bühnenfigur – und kaufte ihrem Egon zum Geburtstag einen Grill. Einen Gasgrill, wohl gemerkt, weil sie hatte sich ja beraten lassen und der Verkäufer meinte, dass das genau das Richtige für sie sei. Wäre ja alles schön und gut, wenn sich Egon dann auch noch ein bisschen über das durchaus teure Geburtstagsgeschenk freuen würde. Genau das aber passiert nicht. Und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Frau ist beleidigt, Mann fühlt sich unschuldig, Frau heult sich bei ihrer Mutter aus, Mann fühlt sich langsam schuldig und um nachträglich zu kitten, was er anfangs verbockt hatte, wird jetzt gegrillt.

Wie er grillt, so liebt er

So, oder so ähnlich ist es nicht nur mit Gabi Fleischs „Grill-Fleisch“ auf der Kabarettbühne im Götzner Vereinshaussaal geschehen, sondern in x Vorarlberger Haushalten. Das ist es ja, was Kabarett auch ausmacht: Dass man Alltägliches derart überspitzt und auf die Bühne stellt, dass sogar die Betroffenen darüber in Gelächter ausbrechen. Und Gabi Fleisch, die ist laut und grell, wenn sie die schimpfende und missverstandene Hausfrau gibt, sie ist herrlich unverblümt, wenn sie scheinbar kurz aus ihrer Rolle tritt und es darum geht, die Männer in Grilltypen einzuteilen – der Brutzler mit Gasgrill, der Exot mit Smoker, der Sicherheitsfanatiker mit Elektro-grill oder der ganz Alternative, der sich eine Feuerschale zugelegt hat. Was die Sache noch besser macht: Aus den Grill-Vorlieben könne man, so Gabi Fleisch alias Ottilie Heinzle, direkte Rückschlüsse auf das Liebesleben des jeweiligen Mannes am Grill ziehen.

Einfach herrlich ist Gabi Fleisch aber dann, wenn sie als Mutter der grillgeplagten Ottilie die Bühne betritt. Mit langem Staubmantel, grauer Lockenperücke, überdimensionaler Brille und beide Hände fest um den Griff des Handtäschchens geschlungen. Gut, was Ottilies Mutter da vom Stapel lässt, das hat mit Grillerei zwar nicht mehr viel zu tun – lustig ist es trotzdem.

So kann man Gabi Fleischs „Grill-Fleisch“, das nach „Fleisches-Lust“ das zweite Soloprogramm ist, das sie gemeinsam mit Regisseur Hajo Förster auf die Bühne bringt, durchaus den Stempel „gelungen und sehenswert“ aufdrücken. Denn die große Stärke des Programms ist es, Bilder zu entwerfen. Da sieht man plötzlich die tüchtige Ottilie, die den neuen Griller als Überraschung ins Wohnzimmer gehievt, sich den Babydoll übergeworfen hat und nun versucht, sich möglichst lasziv zwischen Grillrost und Deckel zu drapieren (sie hat sich ja schließlich informiert und in den Autozeitschriften liegen da ja auch immer luftig bekleidete Damen auf den Kühlerhauben herum).

Gelächter und Applaus

Man sieht auch, wie Egon und sein Kumpel Sepp aus Angst vor möglichen Grill-Gas-Explosionen Zuflucht hinter der Hollywood-Schaukel nehmen und dann doch noch die Topflappen auf dem Grill vergessen. Eben einfach herrlich menschlich. Das ist die Kunst an Gabi Fleischs „Grill-Fleisch“. Dass man da den einen oder anderen Grillerwitz schon kennt, macht dann auch nichts mehr. Es geht vielmehr darum, wie er präsentiert wird und welche Reaktionen man damit auslöst. Und die waren eindeutig messbar: Gelächter und Applaus.

„Grill-Fleisch“ ist noch bis 22. März im Vereinshaussaal in Götzis zu sehen. Weitere Termine bis 12. Juni.