Mit traumwandlerischer Sicherheit

Kultur / 07.03.2014 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Pianist Aaron Pilsan beim Wettbewerbsauftakt.  Foto: Voith
Pianist Aaron Pilsan beim Wettbewerbsauftakt. Foto: Voith

Aaron Pilsan gewann beim ersten Konzert im Wettbewerb um den ZF-Musikpreis den Publikumspreis.

Lindau. (chv) Mit großem Abstand hat der Dornbirner Pianist Aaron Pilsan (19) in Lindau beim Auftaktkonzert zum diesjährigen Internationalen Klavierwettbewerb um den ZF-Musikpreis das Publikum überzeugt.

Gespannt haben die Zuhörer am Donnerstagabend das Kopf-an-Kopf-Rennen im dreistündigen Klaviermarathon der fünf Teilnehmer verfolgt. Die vorgesehene sechste Teilnehmerin, eine russische Pianistin, hatte kein Visum erhalten. Auch wenn sich das Publikum in seiner Gunst einig war, entscheidet die Jury die Rangfolge erst nach dem Schlusskonzert am Sonntag in Friedrichshafen, denn in die Gesamtwertung der drei Finalisten gehen alle drei Abende ein.

Leidenschaftliches Brodeln

Beim ersten der drei Wettbewerbskonzerte waren je ein Werk von Bach und eine Sonate der Wiener Klassik verlangt. Auch wenn zwei Spielerinnen Beethovens Sonate f-Moll „Appassionata“ interpretierten, hätte der Hör­eindruck nicht unterschiedlicher sein können. Während die brillante Rumänin Alina Bercu das Werk mit aggressiver Dynamik darbot, brachte die Chinesin Chenna Lu von den ersten Takten an mehr Wärme ein. Bei allem leidenschaftlichen Brodeln blieb hier ein lyrischer Ton erhalten. Beide Spielerinnen sind weitergekommen, während der empfindsame Rumäne Paul Cartianu ausschied.

Schwer fiel die Wahl zwischen dem 27-jährigen Chinesen Wei Cao und Aaron Pilsan. Wie sollte einer Wei Cao noch toppen können? Bewusst reflektiert klang dessen Bach-Ouvertüre h-Moll BWV 831, ungemein farbenreich seine Beethoven-Sonate A-Dur op. 101, behutsam und samten der Anschlag, rätselhaft schillernd das Adagio. Und doch gelang Aaron Pilsan das Kunstwerk einer noch stärkeren Sogwirkung. Traumwandlerische Sicherheit prägte seine Anschlagkultur, seine Interpretation. Selten hörte man so viele Nuancen in der Bach-Partita G-Dur BWV 829 – von träumerischen Momenten, von lieblicher Innigkeit bis zu neckischer Verspieltheit.

Zuletzt erzählte er in der Haydn-Sonate C-Dur eine Geschichte von zarter Empfindsamkeit und Koketterie, von inniger Zärtlichkeit und heiterem Übermut. Wie schön, die Entwicklung des jungen Dornbirners so hautnah zu erleben. Man darf auf das Endergebnis jedenfalls gespannt sein.

Das Finalisten-Konzert findet am 9. März, 19 Uhr, im Zeppelin-Haus in Friedrichshafen statt.