Wie der Krieg die Menschen verändert hat

Kultur / 07.03.2014 • 21:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gedreht wurde der Film „Der stille Berg“ zum Teil an Originalschauplätzen in den Dolo­miten. Fotos: Sigma  
Gedreht wurde der Film „Der stille Berg“ zum Teil an Originalschauplätzen in den Dolo­miten. Fotos: Sigma  

Ernst Gossners „Der stille Berg“, produziert von Reinhold Bilgeri, vor dem Kino-Start.

Christa Dietrich

Bozen. „Das Thema ist in Südtirol immer noch sehr präsent“, hat Ernst Gossner erfahren, als er für Dreharbeiten zu „Der stille Berg“ Wochen und Monate in den Dolomiten verbrachte. „Man kann sagen, dass der Krieg das Land geprägt hat, wie immer man das sieht“, erklärt er im Gespräch mit den VN. Was den Zweiten Weltkrieg betrifft, würde man ihm sofort beipflichten, aber wir sprechen vom Frühjahr 1915. Italien trat gegen Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg ein. Ein zentraler Schauplatz war das Gebirge. Auch in gefechtslosen Zeiten war der Alltag der Soldaten mit großen Strapazen verbunden, Muren und Lawinen und das steile Gelände forderten allein schon enorme Opfer. Zudem – und da setzt der Film an – zerriss die Kriegserklärung Dorfgemeinschaften und Familien, das Zusammenleben von Österreichern und Italienern, das zuvor trotz einiger Konflikte einigermaßen funktionierte, war Prüfungen ausgesetzt oder schlicht nicht mehr möglich.

Erst vor einigen Jahren seien, so Gossner, Leichen von drei österreichischen Soldaten ausgeappert, in den Chroniken von Familien ist von Hungersnot oder Abwanderung zu lesen.

Obwohl er auch eine fiktive Liebesgeschichte zwischen einem Österreicher und einer Italienerin erzählt (Drehbuch: Clemens Aufderklamm) war ihm die Faktengenauigkeit ein besonderes Anliegen. Gossner ist diesbezüglich allerdings Experte, der einstige Schauspieler hat bereits einen Dokumentarfilm über die Gebirgsfront gedreht, mag den Titel „Der stille Berg“ besonders, weil er den Zeitlauf und die Größe der Natur im Vergleich zum kurz lebenden Menschen anmahnt.

Verantwortung

Nichtsdestotrotz haben wir es nun mit einer Spielhandlung zu tun, und wie hier Schlachten gezeigt werden, das steht dann auch für das Geschehen. Dieser Verantwortung sei er sich sehr bewusst, versichert er. „Ich habe kein Interesse an herumfliegendem Gedärm, auch der  schnelle Schnitt interessiert mich nicht, uns interessierte ein anderer Blick, wir sind sehr genau mit unserer Hauptfigur mitgegangen.“ Eine erklärte Absicht war es, der Frage, was der Krieg aus den Menschen macht, wie er sie verändert, nachzugehen. „Der Vater des Helden, dieser Hotelier, der kann niemanden umbringen, als der Sohn den ersten umbringt, merkt er, dass er gleich fünf Menschen getötet hat, einmal sieht er seiner großen Liebe zu, wie die ihren Peiniger umbringt. Beide sind für ihr Leben verändert, ich gebe dem Paar am Schluss eine Chance, aber ich zeige nicht, wo die beiden Menschen hingehen.“ Der Film ist seit Monaten abgedreht, ein Blitzeinschlag, der Verletzungen – auch des Hauptdarstellers William Moseley – forderte, hat die Arbeit etwas verzögert.

Aber immerhin, hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kommt er in die Kinos und somit reiht sich der Film, den der Vorarlberger Reinhold Bilgeri aufgrund des Erfolges mit „Der Atem des Himmels“ mitproduzieren konnte, unter die vielen Veranstaltungen zum Thema.

Ich habe in den USA gesehen, wie schnell sich Menschen auf den Krieg einschwören lassen.

Ernst Gossner
Regisseur Ernst Gossner und Hauptdarsteller William Moseley.  
Regisseur Ernst Gossner und Hauptdarsteller William Moseley.  

Die Uraufführung des Films findet am 10. März in Bozen statt. „Der stille Berg“ kommt ab 14. März in die österreichischen Kinos.