Keinerlei Scheu vor dem „Muklipub“

Kultur / 09.03.2014 • 21:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Umsemu“ heißt die Produktion der jüngsten Teilnehmer des Theaterclubs des Landestheaters, die gestern Abend im Vorarlberg Museum vom Publikum gefeiert wurde.  Foto: LT/Anja Köhler
„Umsemu“ heißt die Produktion der jüngsten Teilnehmer des Theaterclubs des Landestheaters, die gestern Abend im Vorarlberg Museum vom Publikum gefeiert wurde. Foto: LT/Anja Köhler

Jugendliche Akteure machen das Vorarlberg Museum zu dem, was es sein soll: spannend.

Christa Dietrich

Bregenz. Wenn man verwaltungstechnisch unter einem gemeinsamen Dach zusammenrücken muss, ist es nahe­liegend, dass man sich auch sinnvolle inhaltliche Vernetzungen überlegt. Kooperationen zwischen dem Vorarlberger Landestheater, dem Kunsthaus Bregenz und dem im Vorjahr wiedereröffneten Vorarlberg Museum gibt es immer wieder. Gestern Abend profitierten die Besucher von einer besonderen Aktion dieser Art: Der Jugendclub 10+ des Theaters agierte im Museum, eroberte sich vom Erdgeschoss bis zum obersten Stockwerk zahlreiche Podien und fand dabei ein großes Publikum, das mit spürbarer Begeisterung mitzog.

Angesichts der Tatsache, dass die Jüngsten der Mitwirkenden gerade erst in die Mittelschule oder ins Gymnasium aufgestiegen sind und somit noch nicht sehr viel Geschichtsunterricht absolviert haben, ist es erstaunlich und bewundernswert, dass „Abenteuer in Umsemu“ ein derart inhaltsreiches Stück werden konnte. Nach einer Führung durch das Vorarlberg Museum haben die Kinder und Jugendlichen selbst die Basis für fast alle der einzelnen Textpassagen geliefert, erklärt die Regie führende Theaterpädagogin Nina Kogler im Gespräch mit den VN. Im zwölfköpfigen Ensemble wurde dann eifrig getüftelt und gebastelt, bis ein Rundgang konzipiert war, während dem die Akteure in verschiedene Rollen schlüpfen (auch in jene von tierischen Zeitgenossen oder Vorfahren) und die Dauerausstellungen im Museum, die seit der Eröffnung kontrovers kommentiert werden, zu dem machen, was sie grundsätzlich sein sollten, nämlich spannend.

Nach zwei öffentlichen Aufführungen am Wochen­ende will die Museumsleitung die jungen Menschen nach Möglichkeit in den nächsten Wochen wieder engagieren, auf jeden Fall aber soll es einen Auftritt im Rahmen des internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestivals im Juni geben.

Treffsichere Ironie

Neben zahlreichen Pointen (eine betraf beispielsweise die zarte Malerei von Fritz Krcal, vor der man sich ergötzt oder langweilt) überraschte der ausgereifte Hang zur Ironie der witzig Kostümierten. Allzu inbrünstig ausgelebte Sammelleidenschaft kommentierten die jungen Leute in einer – auf Nachfrage – „garantiert selbst erfundenen Szene“ mit dem Ehrgeiz einer Künstlerwitwe, die jeden Papierschnipsel des verblichenen Gatten aufbewahrt hat und sich im Nachglanz sonnt. Übrigens: Auch das mit der Schreibblockade ist eine rein kindlich-jugendliche Kreation, und selbstverständlich sind es auch Obelix und Idefix, die ohne jegliche Scheu in direktem Kontakt mit den Zuschauern, pardon, dem „Muklipub“, agierten, dass es eine reine Freude war.

Eine weitere Jugendclub-Premiere des Landestheaters findet am
15. März, 15 Uhr, im Kleinen Haus am Kornmarkt in Bregenz statt.