Buchstabenwürfel und Bewegendes

Kultur / 10.03.2014 • 20:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arbeit aus der kleinformatigen Würfelserie von Georg Malin.
Arbeit aus der kleinformatigen Würfelserie von Georg Malin.

Galerie c.art präsentiert den Liechtensteiner Bildhauer Malin und den deutschen Maler Wilding.

DORNBIRN. (VN-ag) Statische Formen, für die Ewigkeit in Stahl und Bronze, und auf der anderen Seite Bildobjekte, die sich mit jeder Bewegung des Betrachters verändern – mit Georg Malin (geboren 1926) und dem bereits verstorbenen Ludwig Wilding (1927–2010) ist die aktuelle Ausstellung in der Galerie c.art zwei Altmeistern und zwei konträren Positionen gewidmet.

Kleinste Einheit

Georg Malin ist Künstler, Historiker, Archäologe und Politiker und gilt heute wohl als der bedeutendste Bildhauer Liechtensteins. Seine teilweise monumentalen skulpturalen Werke befinden sich an öffentlichen Plätzen und sakralen Orten. Der Schaffensausschnitt in der Galerie c.art zeigt mit zwei Früchten in Bronze auch organische Formen, konzentriert sich jedoch mit den kleinformatigen Buchstabenwürfeln, die Ende der 1980er und Anfang der 1990er entstanden sind, auf eine Werkgruppe, die im OEuvre einen besonderen Stellenwert einnimmt. Der Buchstabe als kleinste Einheit des Alphabets, des Gesprochenen und der Schrift und als Möglichkeit, um Vergangenes, um Daten, Fakten, aber auch Erinnerungen zu speichern, wird für Georg Malin in der intensiven Auseinandersetzung mit Sprache und dem durch sie artikulierten Erkenntnisvermögen des Menschen zum „Baustein kultureller und zivilisatorischer Entwicklung“. Für die Buchstaben verlässt der Künstler die ursprünglich geschlossene Kubatur des Würfels mit eingeschriebenen Zeichen, bricht die symbolische Form als Gehäuse auf und der Würfel selbst wird zum Zeichen. Streng, konstruktiv und geometrisch kühl anmutend, fangen die glänzend polierten Oberflächen die Welt um sie herum wie Spiegel ein. Den Betrachter auf sich selbst zurückwerfend, wird der Buchstabe zum vieldeutigen Symbol und in der scheinbaren Einfachheit der Formen offenbaren sich durchaus existenzielle Dimensionen.

Irritationen

Andere Überlegungen liegen den Arbeiten des deutschen Malers und Objektkünstlers Ludwig Wilding zugrunde, der als Vertreter der Op-Art und kinetischen Kunst gilt. Wilding war Textildesigner und Mitglied der Kunstbewegung „Neue Tendenzen“, hatte eine Professur in Hamburg und war Gründer der Stiftung für Konkrete Kunst und Design in Ingolstadt. Seine „irritative Kunst“, die die Grenzen der Wahrnehmung erkundet und zur Reflexion herausfordert, entsteht aus der Überlagerung von rasterartigen Linienstrukturen und Moiré-Effekten. Durch die Bewegung des Betrachters vor dem Objekt verwandelt sich ein flaches „Bildmuster“ in ein 3D-Sehstück, die Linie wird zum Körper. Einfach und doch raffiniert, zu neuen Stand- und Blickpunkten herausfordernd, agierte Wilding lange Zeit in reduziertem Schwarzweiß. Erst im Spätwerk findet der Künstler zur Farbe, die das unmittelbare sinnliche Erlebnis seiner Werke noch verstärkt.

Arbeit des Malers Ludwig Wilding.  Fotos: A. Grabher
Arbeit des Malers Ludwig Wilding. Fotos: A. Grabher

Die Ausstellung ist in der Galerie
c.art, Marktstraße 45, in Dornbirn, bis 19.April geöffnet, Di bis Fr, 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr.