Über die Macht der Worte

Kultur / 11.03.2014 • 18:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Sophie Nélisse macht als Liesel die „Bücherdiebin“ zu etwas Besonderem.  Foto: Centfox  
 Sophie Nélisse macht als Liesel die „Bücherdiebin“ zu etwas Besonderem. Foto: Centfox  

Die Romanverfilmung „Die Bücherdiebin“ begeistert mit beeindruckenden Bildern.

Drama. Im Jahr 2005 hatte der Australier Mark Zusak „Die Bücherdiebin“ („The Book Thief“) veröffentlicht. Der Roman eroberte die Bestsellerlisten und die Kritiker gleichermaßen. Brian Percivals („Downtown Abbey“) einfühlsame Verfilmung der Geschichte über das ganz normale Alltagselend und das Überleben der Deutschen während des Dritten Reiches ist ab morgen in unseren Kinos zu sehen. Sie erzählt von der neun Jahre alten Liesel Meminger, die 1939 zu einer Pflegefamilie ins fiktive Molching bei München gebracht wird. Ihr kleiner Bruder stirbt auf der Fahrt dahin und wird beerdigt – und die Bücherdiebin schlägt zum ersten Mal zu: Sie, die noch nicht lesen kann, nimmt ein Buch an sich, das einem Totengräber aus der Tasche fällt – „Das Handbuch für Totengräber“.

Es ist auch jener Moment, in dem der Tod zum ersten Mal die Bücherdiebin sieht. Zusak, dessen aus München und Wien stammende Eltern die Bombennächte des Krieges miterlebten, wählte gerade ihn als Erzähler seiner Geschichte: „Der Tod war im Zweiten Weltkrieg allgegenwärtig, deshalb erschien es mir einleuchtend, dass er die Geschichte erzählt.“ Auch das Geschehen im Film kommentiert der Tod – in der deutschsprachigen Fassung mit der markanten Stimme von Schauspieler Ben Becker.

Doch es ist Liesels Sicht, aus der die Zuschauer NaziDeutschland erleben: Wenn die wildfremden Hubermanns plötzlich zu ihren neuen Eltern werden, wenn der Jude Max im Kellerversteck Unterschlupf findet, und wenn sie mit ihrem Freund Rudi und den Bewohnern der Himmelstraße Tragisches, aber auch immer wieder Momente des Glücks und der Hoffnung erlebt.

Wunderbare Bilder

Die aufwendige Hollywoodproduktion, die in den deutschen Babelsberger Studios entstand, besticht durch wunderbare Bilder gewissenhaft ausgestatteter Szenerien. Kameramann Florian Ballhaus führte schon bei Bestsellerverfilmungen wie „Der Teufel trägt Prada“ die Kamera. Die Aufnahmen, in denen die ruhig erzählte, gelegentlich zu langatmig geratene Geschichte auf die Leinwand kommt, beeindrucken zur Musik von Altmeister John Williams, der damit gerade wieder für den Oscar nominiert war. Auf allzu schreckliche Darstellungen des Naziterrors verzichtet der ab sechs Jahren freigegebene Film.

Schauspielerisches Talent

Stars wie Emily Watson, zuletzt unter anderem in Spielbergs „Gefährten“ zu sehen, sowie Geoffrey Rush, Oscarpreisträger („Shine“) und als Sprachtrainer in „The King’s Speech“ gefeiert, überzeugen als Pflegeeltern Hubermann. Doch es ist Sophie Nelisse als Liesel, die „Die Bücherdiebin“ auch auf der Leinwand zu etwas Besonderem macht. Zusak selbst hatte in dem kanadischen Teenager seine Liesel erkannt, als er sie im Film „Monsieur Lazhar“ sah. Obwohl die heute 13-Jährige auch schon auf der Liste der Filmemacher stand, blieb die Besetzung dennoch offen. Als Kunstturnerin träumte Sophie noch von einem Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016. Doch nach einer Verletzung las sie das Drehbuch – und entschied sich für Liesel.

Die Bücherdiebin

» Regie: Brian Percival
» Land: USA

» Hauptdarsteller: Sophie Nélisse, Geoffrey Rush, Emily Watson

» läuft ab morgen im Kino