Die Welt soll auch kopfstehen

Kultur / 04.04.2014 • 19:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Optisch macht die Elfenschar der legendären Reinhardt-Aufführung alle Ehre, textlich liebt man es wohltuend knackig.  Fotos: VN/Ludwig Berchtold  
Optisch macht die Elfenschar der legendären Reinhardt-Aufführung alle Ehre, textlich liebt man es wohltuend knackig. Fotos: VN/Ludwig Berchtold  

Bregenzerwälder Schüler haben viele gute Gründe, Shakespeare zu spielen.

Christa Dietrich

Egg. Der letzte Probenabend beginnt mit dem Schminken und farbenprächtigen Kostümieren, und am Ende ist es wieder um einiges mehr als nur Schultheater. Und das nicht nur, weil sich Ariel Lang mit seinen Schülern vorgenommen hat, einen der schönsten, längsten und schwierigsten Klassiker umzusetzen, nämlich Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Die Wahl des um 1596 uraufgeführten Stückes, an dem sich beinahe jeder namhafte Profi-Regisseur einmal messen will, begründet der Pädagoge am Gymnasium Egg durchaus pragmatisch. Im letzten Jahr war es mit „Romeo und Julia“ eine Tragödie, heuer sollte es eine Komödie sein, die seine 14- bis 18-jährigen Schützlinge bereits seit Beginn dieses Jahres sehr beschäftigt.

Viel erreicht und viele erreichen

Dass das nicht nur bei den Proben passiert, bestätigt letztlich auch Selina Schweinberger, die Hippolyta, die der Sache vorerst skeptisch gegenüberstand, weil sie „kein Fan von einem klassischen Happy End“ sei. Schießlich hat ihr die Arbeit aber selbst etwas gebracht. Johannes Hartmann, der den „hauptberuflich verliebten“ Lysander spielt, bestätigt es: „Das Stück sagt mir, dass Liebe sehr kompliziert sein kann.“ Und Timea Schlitzer, die den Schnock, also einen der Handwerker spielt, erklärt gar, dass sie die gehobene Sprache überaus ansprechend findet, weil „auch nicht wirklich kluge Aussagen auf einmal gebildet klingen können“. Luka Meusburger, ebenfalls ein Handwerker, hat bei der Arbeit mit der Sprache festgestellt, dass „die Leute damals ähnliche Gedanken hegten wie wir heute.“ Und Leah Dorner, die in der großen Rolle des ­Oberon geradezu aufgeht, hält als Fazit fest, dass „die Welt manchmal auf den Kopf gestellt werden muss, um ein gutes Ende zu ermöglichen“. Dass Ariel Lang viel erreicht hat, steht damit wohl außer Frage. Als Junglehrer hat er das Schultheater eingeführt, seit 25 Jahren wird es gepflegt, nicht nur nebenbei sei erwähnt, dass einige der Mitwirkenden dabei bereits ihre Begabung entdeckt und einen Theaterberuf ergriffen haben. Abgesehen davon sieht Lang das Projekt nicht nur als schulisches, die Truppe tourt mit der Produktion durch den Bregenzerwald, erreicht damit auch viele Menschen, die sonst nichts ans Gymnasium Egg bindet.

Und was bekommen sie zu sehen? Eine klug gestraffte, optisch märchenhafte Version des berühmten Liebesstreits, der sich auf verschiedenen Ebenen (im Elfenreich wie unter jüngeren und älteren Paaren) abspielt. Dieser verträgt bekanntermaßen auch krassere Umsetzungen, benötigt sie aber nicht, um den psychologischen Gehalt des Stückes transparent zu machen. Nicht nur dieser zeigt sich in Egg, sondern auch ein paar besondere Bühnenbegabungen und ein Witz, denen Ariel Lang mit großem Geschick zur Entfaltung verhilft.

Gefühle kommen auch über die leicht veraltete Sprache an.

Leah Dorner, Oberon

Das Stück zeigt mir, dass man niemals aufgeben sollte.

Timea Schlitzer, Schnock
Ausgesprochen talentiert: Leah Dorner als Oberon und Hannah Kempf als Puck.  
Ausgesprochen talentiert: Leah Dorner als Oberon und Hannah Kempf als Puck.  
Auch hier eine Wucht: Titania (Sophia Oberhauser) verliebt sich in den in einen Esel verwandelten Zettel (Alexandra Kaufmann).  
Auch hier eine Wucht: Titania (Sophia Oberhauser) verliebt sich in den in einen Esel verwandelten Zettel (Alexandra Kaufmann).  

Weitere Aufführungen am
6. April, 20 Uhr, im Gemeindesaal Au, am 11. April, 20 Uhr, im Ritter-von-Bergmann-Saal in Hittisau, am 13. April, 20 Uhr, im Hermann-Gmeiner-Saal in Alberschwende. Dauer: knapp zwei Stunden