Neue Walküren morden so

Kultur / 04.04.2014 • 18:10 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Autor Bernhard Aichner. Foto: Verlag btb  
Autor Bernhard Aichner.
Foto: Verlag btb  

Sie heißt Brünhilde Blum und wird sicher bald ein Leinwand-Gesicht bekommen.

Thriller. (VN-cd) Es verwundert nicht, dass ausgerechnet die deutsche Schriftstellerin Ingrid Noll ein paar anerkennende Bemerkungen hinterließ, die nun den Umschlag des Buches „Totenfrau“ zieren. Der Tiroler Autor und Fotograf Bernhard Aichner (geb. 1972) hat mit Brünhilde Blum eine Figur geschaffen, die es mit den mordenden Damen Nolls locker aufnehmen kann. Im elterlichen Bestattungsbetrieb wird der Umgang mit den Toten zu etwas Alltäglichem, dort erhält sie nicht nur das technische Rüstzeug für den perfekten Mord, der erlittene Druck setzt in ihr auch so viel Energie frei, dass sie nicht nur ausbricht, sondern Rache nimmt.

Zu Aichners Interessen zählt es nicht, ein genaues Psychogramm zur Begründung der Daten zu ersinnen, er konzentriert sich auf den Handlungsablauf, auf die Strukturiertheit des Vorgehens. Ein echter Thriller eben. In starken Bildern und plausiblen Zeitsprüngen aufgebaut, kostet er die Möglichkeiten der Selbstjustiz bis zu einem fast gefährlichen Grad aus. Bei steter Spannung wird die banale Schockwirkung dabei klug vermieden, um eine zentrale Frage nicht aus den Augen zu verlieren, nämlich die nach unseren inneren Reflexen bei der Konfrontation mit Grausamkeit. Zudem kann man davon ausgehen, dass die neue Walküre Brünhilde Blum wohl bald auf die Leinwand kommt.

Bernhard Aichner: „Totenfrau“, btb, 444 Seiten. Lesungen in Vorarlberg: 8. April, 21 Uhr, Vakanz, Marktstraße 33, Dornbirn; 9. April , 19.30 Uhr, Gasthaus Kreuz, Frastanz; 10. April, 20 Uhr, Bibliothek Lustenau, Pontenstraße 20