Beethoven-Zyklus zum Geburtstag

Kultur / 06.04.2014 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ferenc Bognár schuf sich mit der von ihm gegründeten Sinfonietta Montfort den idealen orchestralen Partner.  Foto: JU  
Ferenc Bognár schuf sich mit der von ihm gegründeten Sinfonietta Montfort den idealen orchestralen Partner. Foto: JU  

Der Pianist Ferenc Bognár bot einen hinreißenden Zyklus aller Klavierkonzerte.

Feldkirch. Es war ein unglaublicher Kraftakt, den sich Ferenc Bognár, der beliebte Klavier-Professor am Landeskonservatorium, zu seinem bevorstehenden Abschied in den Ruhestand ausgedacht hat. Er wagte sich an die Aufführung aller fünf Beethoven-Klavierkonzerte, die er an zwei Abenden im Festsaal des Hauses vom Klavier aus leitete – und gewann auf allen Linien. Er beschenkte damit sich selber genau zu seinem 65. Geburtstag am 4. April und sein zahlreiches Publikum aus Freunden und Schülern, das hingerissen war von der Qualität, Lebendigkeit und Musizierfreude, mit denen diese Werke entstanden.

Man kennt solches aus Wien von Rudolf Buchbinder und den Philharmonikern, im Land hat kürzlich Alexander Lonquich das SOV vom Klavier aus dirigiert. Nie zuvor aber wagte sich hier jemand mit einem Zyklus an diese Lebensaufgabe für einen Pianisten. Bognár schuf sich mit der vor allem mit ausgewählten Kollegen besetzten, 2003 von ihm gegründeten Sinfonietta Montfort den idealen orchestralen Partner. Leute wie Karin-Regina Florey als Konzertmeisterin, Eugen Bertel, Flöte, oder Adrian Buzac, Oboe, machten um das berühmte „Butterbrot“ mit und waren eines Sinnes mit ihm, wenn es Bognár um eine spannende, von Harnoncourt persönlich inspirierte Darstellung dieser Werke in historisch informierter Aufführungspraxis ging.

Reduzierung

Dazu gehört zunächst auch die Rückkehr zur originalen, kammermusikalisch intimen Begleitung abseits eines pompösen Orchesterapparates. Diese Reduzierung auf ein Streichquintett plus ­Bläser am ersten, bei den größeren Werken Nr. 3 und 5 auf 22 Musiker am zweiten Abend, vermindert zwar das Risiko für einen dirigierenden Pianisten, ersetzt aber nicht die spürbar intensive Arbeit, mit der da an ausgefeilter Artikulation und Phrasierung, an oft abrupten Übergängen gearbeitet worden ist. Eine Voraufführung in der Schweiz bot zudem den letzten Schliff, und so kann sich Bognár zuletzt auf eine bis in die Haarspitzen gebriefte, von eigenverantwortlichem Gestaltungswillen bestimmte Mannschaft verlassen. Ein Wink, ein Kopfnicken genügt in den meisten Fällen, um perfektes Einvernehmen herzustellen, nur selten dirigiert er stehend die Tuttistellen, energisch und temperamentvoll.

Auch als Solist am Steinway weiß Bognár nach intensiver Befassung sehr genau, wie man mit Beethoven umgeht und setzt seine Erkenntnisse imponierend um: im spritzigen Rondo des dritten, in den gehämmerten Doppeloktavläufen und der rauschenden Kadenz im Kopfsatz des gewaltigen fünften Konzertes, aber auch lyrisch verloren in dem von den Streichern getragenen folgenden Mittelsatz, und erreicht so einen wunderbar ausgewogenen Gesamteindruck, den auch winzige Defizite im Solopart oder im Zusammenspiel nicht zu trüben vermögen.

Zu bewundern ist der Mut Bognárs, der sich selbst damit wie dereinst Ludwig van Beethoven fast eine Art „Privatkonzert“ ermöglicht hat. Künstlerisch ist das Projekt auf Topniveau gelungen, finanziell kam man durch die Privatstiftung Impulse und das Konservatorium mit einem blauen Auge davon. Während des zehnminütigen Schlussjubels mit standing ovations schüttelt der glückliche Maestro jedem Musiker noch persönlich die Hand.