Wie aus dem Büchlein gehüpft

Kultur / 06.04.2014 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Zauberhafte Premiere von „Bimbulli“ nach Susi Weigel in der Remise Bludenz.

Bludenz. Alles unter einen Hut zu bringen, ist eine Kunst. Oder ein Kinderspiel. Beides zugleich ist es in „Bimbulli“, der neuen Produktion des Figurenthea-

ters „Il Segreto di Pulcinella“: Schlussend-

lich sitzen alle Tierchen im Trockenen. Und der Grantler von Frosch, der den Strohhut im Schilf ursprünglich ganz vehement für sich allein beansprucht hat, ist zufrieden mit der Welt und mit sich selbst. Mira Lobe und Susi Weigel haben das schneuztuchweiße Stoffkerlchen Bimbulli erfunden, das gleichnamige Bilderbuch erschien 1964. Sabine Hennig und Saskia Vallazza setzen Bimbullis Abenteuer sprachlich und auch in der Ästhetik von Bühne und Figurenpersonal mit einer Verbeugung vor dem Original und einem sanften Augenzwinkern um. Susi Weigels Bauerntruhe, der hellrote Schirm, das runde, lackierte „Wagerl“ mit der weißen Bordüre, der Kartoffelsack, der hohe Hut und nicht zuletzt Annerl und Peter, die verspielten „Eltern“ von Bimbulli, sind wie aus dem Bilderbuch gehüpft. Auch die Filz-Menagerie (Saskia Vallazza) von Hirschkäfer bis „Eichkatzerl“ folgt der Vorlage. Aber dann stößt Regisseur Christoph Bochdanskys Handschrift dazu, und zwei verrückte Periskope lugen aus der Truhe.

Diese Trichter werden gelegentlich zum Megafon und dienen für „wichtige Durchsagen“, auch im Wortwitz sind sie stark, wenn sie desorientiert auf der Suche nach der „richtigen Trichtung“ oder „trichtigen Richtung“ umherirren. Da amüsieren sich die kleinen ZuschauerInnen prächtig – und manchmal sind sie ganz gebannt.

Das gelebte Vorbild

In einer beeindruckenden Wasserszene im Dunkel sind Lust und Angst verschränkt: Eine lange Bahn raschelig-changierender Folie wirft Wellen und trägt das Wagerl/Boot mit. Die Puppenspielerinnen wacheln damit und zischen. Auch sonst ziehen sie alle Register: Sie singen zweistimmig und im Kanon, Lieder, die zu Weigel/Lobes Zeit bekannt waren: „Abendstille“ zum Beispiel, oder: „Eine Seefahrt, die ist lustig“. Dass das Unterwegssein in improvisierten Booten beileibe nicht nur lustig ist, und dass es zur Überlebensfrage wird, Aufnahme zu finden, das ist die politische Dimension dieses Stücks. Denn die Sache mit dem Teilen gehört zwar zum Standardrepertoire des „Erziehens“. Doch hapert’s ganz gewaltig, wenn’s um das gelebte Vorbild geht.

Stichwort. Susi Weigel und das Theater

Die lange Jahre unbemerkt in Bludenz lebende Künstlerin Susi Weigel (1914-1990) illustrierte zahlreiche Kinderbücher, schon die dritte Generation begeistern vor allem ihre Gemeinschaftsproduktionen mit Mira Lobe. Wohl am bekanntesten: „Das kleine Ich bin Ich“. Zu Weigels 100. Geburtstag erging ein Stückauftrag der „Bludenz Kultur gGmbH“ an das Figurentheater „Il Segreto di Pulcinella“: Saskia Vallazza und Sabine Hennig machten sich einen Namen mit Literaturbearbeitungen für Kinder. Auch mit Kindern gemeinsam arbeiten sie kontinuierlich, zum Beispiel an „Das Städtchen Drumherum“, ebenfalls aus der Feder des Gespanns Lobe/Weigel. Susi Weigel und Mira Lobe stehen ab 6. November im Mittelpunkt einer Ausstellung im Wien Museum. Verantwortlich für die Präsentation ist Lisa Noggler-Gürtler, Kuratorin von „Römer oder so“ im Vorarlberg Museum. Weitere Aufführungen von „Bimbulli“ sind geplant.