Die Lebensleistung erklärt

Kultur / 25.04.2014 • 20:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Lebensleistung erklärt

Ein vergnügliches, zugleich beeindruckendes Jahrhundertpanorama.

Biographie. (VN-Salg) „Ich wollte dazugehören.“ So lautet ziemlich am Anfang dieser Erinnerungen ein Satz. Er darf als Motto von Liesl Müller-Johnsons Leben gelten. Wohl auch dem ihrer Mutter Rosl wie ihrer Großmutter Bronja, die aus Przemysl in die österreichisch-ungarische Kaiserstadt Wien einwanderte. Ihr Mann musste ob seiner Spielschulden flüchten, während Bronja die Hausmeisterarbeit samt Diensten für die übrigen Bewohner erledigte.

Dabei versorgte sie mit großer Hingabe und Geschick die Tochter. Die kleine Rosl gedieh prächtig, fiel durch ihre Extravertiert-

heit, ihre Wissbegier und sehr bald durch ihr großes Tanztalent auf. Bronja durchschaute, obwohl sie Analphabetin war, genau, wie und wodurch sie ihr Kind fördern konnte, ohne deswegen Strenge und Konsequenz aufzugeben. Durch diese Erziehung bleibt Rosl immer Realistin, kann ihr Leben wie ihre Finanzen gut organisieren.

 Willenskraft

Zwar erweist sich der Mann, der sich in sie verliebt und dessen Antrag sie erhört, als sehr guter Impresario, doch genauso als ignoranter Träumer. So steht schon bald nach Geburt der gemeinsamen Tochter Liesl ein Unbekannter vor der Tür, der höflichst um die Begleichung von Rechnungen bittet, die der Herr Direktor offenbar vergessen hat. Nachdem sich solche Vorfälle häufen, verlangt Rosl die Scheidung.

Liesls bewusste Erinnerungen beziehen sich auf die glückliche Zeit, die sie bei Großmutter Bronja verbringt, während die Mutter ihre Bühnenkarriere verfolgt. Der Tod der Großmutter, die Erlebnisse in verschiedenen Internaten, immer wieder Trennungen von der Mutter, schließlich Exil in Rumänien: Das alles kann Liesls innere Stärke und ihre Willenskraft nicht erschüttern. England faszinierte sie früh, die Liebe zum Luftwaffenoffizier Johnson gibt 1947 den Ausschlag: Via Wien reist sie aus, heiratet ihren Johnnie, gründet eine Agentur für Sprachkurse und als sie diese 2002 verkauft, bringt sie ihre erste CD mit Liedern ihrer Mutter auf den Markt.

Die Übersetzerin Monika Mertl hat die Bezüge zum Zeitgeschehen herausgearbeitet und damit Müller-Johnsons Lebensleistung noch deutlicher gemacht.

Liesl Müller-Johnson:
„Rosl und ihre Tochter“
Milena Verlag, 253 Seiten