Viel Geld, viel Sex und dann auch noch ein putziges Tier

Kultur / 08.05.2014 • 21:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bei dieser Installation von Maria Eichhorn geht es um viel Geld, um ein Aktienkapital, das im KUB konkret aufliegt. Foto: VN/Steurer
Bei dieser Installation von Maria Eichhorn geht es um viel Geld, um ein Aktienkapital, das im KUB konkret aufliegt. Foto: VN/Steurer

Maria Eichhorn liefert das ins Kunsthaus, was im Allgemeinen hoch im Kurs steht.

Christa Dietrich

Bregenz. Im Angelika-Kauff­mann-Museum in Schwarzenberg zeigte man sich begeistert über die Kooperation mit dem großen Haus in Bregenz, die an sich eher zufällig zustande kam und einer spontanen Idee geschuldet ist. Vor einiger Zeit, als die Mitarbeiter im Bregenzerwälder Haus ihr liebstes Sammlungsstück küren sollten, war auch ein Eichhörnchenkäfig dabei, in dem ein Bauer im 19. Jahrhundert eines dieser putzigen Tierchen domestizierte, das ihm mit possierlichen Bewegungen im mit Rädern und Stiegen ausgestatteten Holzobjekt die Schwermut an langen Winterabenden vertrieb. Mit dem heutigen Verständnis von Tierhaltung ist der Käfig freilich nicht mehr zu vereinbaren, die Überlegungen, Repliken in die Ausstellung aufzunehmen bzw. für die KUB-Künstleredition zu schaffen, sind zudem mehr sachlich als spielerisch begründet, heißt die Künstlerin, die nun drei Stockwerke des Kunsthauses Bregenz besetzt, doch Maria Eichhorn.

Auratisch

Der Name der Deutschen (geboren 1962 in Bamberg) tritt in einem zentralen Werk in anderer Art in Erscheinung. Im Jahr 2002 gründete sie für die documenta in Kassel mit dem Produktionskapital von 50.000 Euro eine Aktiengesellschaft. Alle erforderlichen Dokumente, aber auch alle Protokolle der seither statutengemäß abgehaltenen Sitzungen und das nicht zu vermehrende Vermögen sind real vorhanden, zählen als Kunstwerk inzwischen zur Sammlung des Van Abbemuseums in Eindhoven und thematisieren nun in Bregenz in akribisch ausgeführter Präsentation die auratische Wirkung einer Finanzkraft, bei der es sich, auf ein Bild bzw. Objekt reduziert, ja doch nur um bedrucktes Papier handelt. Die installativ angeordneten und entsprechend aktualisierten Blätter Zeile für Zeile zu lesen und in den gläsernen Safe mit den Banknoten zu blicken, hat natürlich etwas.

Nicht zwingend, aber dennoch vergleichbar mit dieser Arbeit ist das eigens für das KUB geschaffene Werk in der obersten Etage. Die in den Grundfarben ausgeführten Streifen und Kreise am Boden haben nichts mit einer Zeichnung zu tun, sondern markieren Wasseradern, die mit Hilfe des erfahrenen Vorarlberger Rutengängers und Brunnensuchers Michael Berbig festgelegt wurden, aber auch die Erdstrahlung und die kosmische Strahlung. Pendel und Ruten sollen die Ausgangsarbeit verdeutlichen. Aber ist es wirklich so? Dass nicht einfach fassbar ist, was unser Leben dennoch beeinflusst bzw. Unbehagen oder Glücksgefühle auslöst, ist ein großes Thema im Œuvre von Maria Eichhorn. Das zeigt sich auch in einer Video­serie, mit der sie ein Lexikon sexueller Praktiken angelegt hat.

 „Knutschfleck“ an der Wand

Nichts funktioniert dabei per sonst üblichem Knopfdruck. Was der Besucher zu sehen wünscht, wird vom Personal den einzelnen Filmboxen entnommen, in den altertümlich anmutenden Projektor eingelegt und an die Wand projiziert. In sachlicher Manier werden Begriffe wie etwa „Cunnilingus“, „Knutschfleck“, „Brustlecken“, „Ohr“ oder „Klitoris“ innerhalb von rund zwei Minuten in Szene gesetzt und verbildlicht. Auch im „Auge“ als filmisch festgehaltenes Wahrnehmungsorgan spiegelt sich nichts. Was in der auf rund zwanzig Teile angewachsenen Serie, die im Vorfeld der Ausstellung entsprechend aufgestockt wurde, sexuell reizvoll ist und was nicht anonym, sondern unter Aufsicht angesehen werden soll, entscheiden die Betrachter.

Zur Hinterfragung unseres gesellschaftlich geprägten und auch politischen Verhaltens, regt Maria Eichhorn jedenfalls an. Wie sie es selbst etwa mit der Atomkraft hält, das erfahren wir nicht. Es sei denn, wir leiten ihre Sicht bereits über die Auswahl des Themas ab, mit dem Fachleute aufgefordert sind, vor ihren Vorhang zu treten. Genäht aus Jeansstoff, spannt sich das Requisit hier über eine Ausstellungswand. Vor neutralem Hintergrund werden Vertreter aus Japan oder etwa die bekannte Vorarlberger Naturschützerin und Atomkraftgegnerin Hildegard Breiner (die am 15. Mai auftritt) schon deutlich werden.

Alle Arbeiten sind ein Kontinuum und verschmelzen fast mit der Architektur des Zumthor-Baues.

Maria Eichhorn

Zur Person

Maria Eichhorn

Geboren: 1962 in Bamberg

Ausbildung: Hochschule der Künste in Berlin

Ausstellungen: Teilnahme an der documenta 11 in Kassel, im Van Abbemuseum Eindhoven, im Centre Pompidou in Paris, in der Kunsthalle Bern, etc.

Preise: Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel

Die Ausstellung wird heute Abend eröffnet und ist bis 6. Juli im Kunsthaus Bregenz zu sehen, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Pfingstmontag, 10 bis 18 Uhr