Einen klugen musikalischen Dialog geschaffen

Kultur / 12.05.2014 • 21:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ensemble plus trat im Vorarlberg Museum auf.  Foto: JU
Ensemble plus trat im Vorarlberg Museum auf. Foto: JU

Ensemble plus brachte ein packendes Werk von Peter Engl zur
Uraufführung.

BREGENZ. Bei einer „sul palco“-Matinee des diesmal vorwiegend weiblich besetzten Ensemble plus im Vorarlberg Museum gefiel Teil eins mit einer von Bettina Barnay gewohnt kompetent präsentierten Uraufführung von Peter Engl weit besser als Mozart. Was allerdings nicht am Salzburger Meister lag, sondern an den Musikern.

Der Tiroler Komponist Peter Engl (43), der in Feldkirch lebt und in der Schweiz als Musiklehrer arbeitet, gilt nach einer Klarinetten-Ausbildung am Konservatorium als Bläserspezialist, schreibt aber auch Filmmusik und Elektronik. 2012 erhielt er den Kompositionspreis des Landes. Nach einem Kompositionsstudium bei Herbert Willi am „Konse“ hat er seine Werkliste 2008 erstmals durch ein Streichquartett bereichert, das nun uraufgeführt wurde. Engl hat darin den Begriff „Dialoge“ auf eine intellektuell-musikalische Weise hinterfragt, die auch für den Zuhörer gut nachvollziehbar wird. So wie Goethe in seinem Zitat das Streichquartett als „Gespräch unter vier vernünftigen Menschen“ bezeichnet hat, beginnt auch Engl mit langen, ganz auf Klanglichkeit ausgerichteten Liegetönen als Symbol für gepflegte Konversation, was sich über vier Sätze in hitzige Debatten steigert, bis am Schluss ein konsensuales Finale gefunden wird.

Von Mal zu Mal besser

Engl bedient sich dabei seiner knappen, konzentriert persönlichen Tonsprache, die auch nicht vor klanglichen Schönheiten, allerdings auch nicht vor strengen Reibungen zurückschreckt. Der Fluss innerhalb der Musik ist als oberste Priorität auch hier stets gewahrt. Die Wiedergabe durch das seit Jahren bestehende „Liebenstein Quartett“ mit Anita Martinek und Susanne Mattle, Violine, Monika Bazgier, Viola, und Iza Van Holen, Violoncello, das diesmal den Kern des ensemble plus bildet, ist feinsinnig ausgelotet und schillernd vielschichtig. Eingerahmt wird dieses Stück durch zwei Werke des bei „sul palco“ unvermeidlichen Russen Wladimir Rosinskij, der dem ensemble plus freilich auch schon Auslands-Engagements ermöglicht hat. „Andante in ES(peranza)“, ein gefälliges Stück für Streichquartett, bringt in origineller Weise modische Spieltechniken zur Wirkung, der schon öfter in diesem Rahmen zu hörende erste Satz aus der „Musik für drei Bratschen“ wird von Karoline Hoffmann, Veronika Körmendy und Andreas Ticozzi stehend mit viel Verve und Drive gespielt und gefällt auch den Zuhörern von Mal zu Mal besser.

Etwas beliebig

Weniger Sorgfalt als für dieses Repertoire hat man im „Liebenstein Quartett“ mit Karoline Hoffmann an der zweiten Bratsche leider auf Mozarts kostbar dunkles g-Moll-Streichquintett verwendet, das etwas beliebig an der Oberfläche bleibt. Gerade der Adagio-Satz hätte weit mehr Tiefgang und Spannung vertragen, das Menuett ist kantig überzogen. Zudem trüben auch kleine Unsauberkeiten in Zusammenspiel und Intonation den Gesamteindruck.