„Diese Großartigkeitsfantasien müssen aufhören“

Kultur / 13.05.2014 • 21:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Richard Bösch in seinem Atelier: „Ich habe mir meine Unabhängigkeit bewahrt und muss niemandem schöntun.“  Foto: MK
Richard Bösch in seinem Atelier: „Ich habe mir meine Unabhängigkeit bewahrt und muss niemandem schöntun.“ Foto: MK

Kunst ist für Bösch ein Sehnsuchtsfeld. Bezüglich der Kunstszene gibt er sich streitbar.

Christa Dietrich

hörbranz. „Die Großartig­keitsfantasien müssen aufhören“, erklärt Richard Bösch unmissverständlich. Nichtsdestotrotz zählt er zu den bekanntesten Künstlern Vorarlbergs. Auch vor einem Auftritt im Vorarlberg Museum äußert er sich zu dieser Einrichtung sehr kritisch.

Ist Malerei ein Spiel?

bösch: Es ist meine Sehnsucht gewesen, dass sie zum heiteren Spiel wird, leider war es über weite Strecken auch ein Ringen.

Was ist Ihr Ideal?

Bösch: Der heitere Ernst. Ich habe parallel zur Lebensentwicklung und Selbstsuche früher sehr ringen müssen. Ich habe Boeckl als eine meiner großartigsten menschlichen Begegnungen erlebt, der hat noch von einem wirklichen Werdegang gesprochen.

Von einer Entwicklung also.

Bösch: Ja, heute versteht man darunter die Karrieren, den Kunstmarkt. Dabei ist die Aufzählung von Ausstellungen oft ohnehin nur konstruiert. Ein Werdegang ist, dass man dort hinkommt, wo man sich selbst sieht. Ich habe gemerkt, dass mir Lob genauso Probleme schafft wie Tadel.

Was hat Sie berührt?

Bösch: Beispielsweise eine Ausstellungsbesucherin in Mexico City. Es war eine ältere Dame, die Frida Kahlo und Diego Rivera noch gekannt hatte, auf mich wartete und mir sagte, dass ich substanzielle Kunst mache.

Sie stellen nun in Göfis in dem kleinen Kunstraum milk ressort aus. Wie kam es dazu?

Bösch: Das wäre eine längere Geschichte. Ich halte den Raum aber für großartig, ich war mit Harald Gfader dort, habe den jungen Lorenz Helfer getroffen und war sofort angetan vom Ort. Das ist wie Katakombenchristentum.

Erachten Sie die Galerienszene in Vorarlberg für verbesserungswürdig?

Bösch: Absolut, und dazu müsste man gar nicht ins Detail gehen. Josefine Seebacher war einst großartig. Ich war jüngst bei einer Diskussion, bei der Kurt Prantl tatsächlich gesagt hat, er sei der erste gewesen, der die moderne Kunst nach Vorarlberg gebracht hat. Der ganze Abend war so etwas von lähmend.

Hätten Sie Lust, sich stärker in die Diskussion einzubringen?

Bösch: Vielleicht schreibe ich die Kulturgeschichte Vorarlbergs irgendwann einmal auf. Wolfgang Fetz hat Hubert Berchtold und Helmut Fetz als die relevanten Künstler nach Wacker bezeichnet und Bertsch hat die Dissertation sogar angenommen. Was soll man da sagen?

Haben Sie für sich eine Strategie entwickelt?

Bösch: Ich habe meine Unabhängigkeit bewahrt und muss niemandem schöntun. Andererseits kann ich es beispielsweise nicht akzeptieren, wenn viele Jahre dieselben Leute die Noten verteilen bzw. Kommissäre für die Kunst im öffentlichen Raum sind. Edelbert Köb hat von Gottfried Bechtold früher gar nichts gehalten, jetzt rudert er zu ihm hin.

Wie beurteilen Sie die Präsenz Vorarlberger Künstler im Land?

Bösch: Ich habe bei der Kunsthaus-Diskussion immer gesagt, wenn ihr ein international ausgerichtetes Haus haben wollt, dann hat die ursprünglich geplante Landesgalerie dort nichts verloren. Wenn ich jetzt das Vorarlberg Museum sehe, blicke ich in einen Unraum.

Wie sollte die Kunst im Vorarlberg Museum vertreten sein?

Bösch: Es geht nicht um lebende Künstler, aber Vertreter der Kunstgeschichte haben ein Recht, dort zu sein. Ich will nicht eine Schublade öffnen, um ein Bild zu sehen. Ich habe den Vorschlag gemacht, sich mit diesem Lichthof zu beschäftigen. Hier könnten viele Bilder hängen, in der Mitte wäre eine Stiege. Wenn ich jetzt ins Museum gehe, sehe ich erst einmal gar nichts.

Zur Person

Richard Bösch

Geboren: 1942 in Bregenz

Ausbildung: Akademie der bildenden Künste in Wien

Tätigkeit: freischaffender Künstler

Auszeichnungen: Internationaler Kunstpreis des Landes Vorarlberg

„Im Porträt: Richard Bösch“, Film mit Gespräch, 14. Mai, 20.15 Uhr, Vorarlberg Museum, Bregenz. Ausstellung im milk ressort Göfis vom 16. Mai (Eröffnung 19 Uhr) bis 13. Juli