Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Neue Köpfe und Programme

Kultur / 15.05.2014 • 22:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn das Kölner Museum Ludwig ruft, geht man. Insofern ist der Schritt, den Yilmaz Dziewior vollzogen hat, einleuchtend, obwohl er erst die Verlängerung seines Vertrages als Direktor des Kunsthauses Bregenz unterschrieben hat. Abgesehen davon lässt die Abwerbung den Schluss zu, dass auch sein KUB-Programm in der deutschen Museumsszene bemerkt wurde.

Sich erst einmal zurücklehnen und dann aus der Ruhe Kraft schöpfen, wie es Werner Döring, der Geschäftsführer der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft andeutete, wird man sich nicht erlauben können. Auch wenn Dziewior während seiner restlichen Zeit in Bregenz nicht untätig bleibt, wird man sich rasch konkret mit der Nachfolge beschäftigen müssen. Überlegungen zur generellen Ausrichtung des KUB sollen anstehen. Aha.

Während man sich bei Hinzuziehung externer Fachleute fragen will, was im KUB nach der Realisierung der Konzepte von Köb, Schneider und Dziewior noch stattfinden könnte, sind auch Überlegungen zur Präsenz bildender Kunst in den Museen angesagt. Das betrifft zwar auch, aber nicht unbedingt das KUB, sondern mit dem Vorarlberg Museum eine weitere Institution der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft.

Eine Sammlung mit Basiswerken der Kunstgeschichte des Landes im KUB einzurichten – wie es in Urzeiten einmal geplant war –, das wird sich nicht spielen. Den Besuchern einen Überblick oder einen spannend aufgebauten Einblick generell vorzuenthalten, kann aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Maßgebliche Beispiele Vorarlberger Kunst oder eben auch eine fragwürdige Auswahl neben Objekten aus der Alltags- oder Industrie-Geschichte des Landes zu postieren – wie das nun im Museum geschehen ist –, das mag anregend sein, man übertreibt aber nicht, wenn man festhält, dass dieses Konzept unter Fachkundigen bislang kaum Zustimmung gefunden hat.

 

Landesgalerien im engen Sinn sind passé, dass sich das Publikum für Kunstsammlungen aber grundsätzlich wenig interessiert, kann man als Argument nicht stehen lassen. Sie spannend aufzubereiten, ist eine Herausforderung, die man im Vorarlberg Museum ein Jahr nach der Eröffnung noch etwas vor sich herschieben, aber nicht außer Acht lassen darf, neue Kunst (weiterhin auch die außereuropäische, die Dziewior hinzugeholt hat) so zu präsentieren, dass sie die Leute interessiert, ist die Aufgabe, die sich im KUB stellt. Eine Person, die Namedropping und Risikobereitschaft auf einen Nenner bringt, die Spaß am Ausstellungsmachen an den Tag legt und der das schöne KUB nicht zu weit vom Schuss ist, wird sich wohl finden lassen.

christa.dietrich@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-225