Wenn Nebenstellen zum Hauptschauplatz werden

Kultur / 15.05.2014 • 22:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Richard Böschs Malerei ist ein Teilhaben an der Welt und ein Mittel der Selbstfindung.  Foto: AG  
Richard Böschs Malerei ist ein Teilhaben an der Welt und ein Mittel der Selbstfindung. Foto: AG  

Im milK_ressort in Göfis sind Arbeiten des Kunstmalers Richard Bösch zu sehen.

GÖFIS. Für Harald Gfader, der mit dem milK_ressort die kleinste und wohl eigenwilligste Kunsthalle im Land betreibt, und dort ein im positiven Sinne launisches Programm fährt, gilt Richard Bösch als Doyen der heimischen Kunstszene. Grund genug, dem mittlerweile fast 72-jährigen Maler eine Ausstellung zu widmen.

In tiefen Schichten

„Nebenstellen“, titelt die Schau, die das ehemalige Göfner Milchhüsle, zwischen Miniaturkunstraum und Katakombe, mitten im (geografischen) Outback zu einem Hauptschauplatz der Malerei macht. Prominent im Blickfeld, an der Stirnseite des Raumes, ein wandfüllendes, wie für den Ort gemachtes, lichtes Format, ganz neu, in dem sich zarte Farben und massive Materialität gegenseitig den Ball zuspielen. An den Seitenwänden links und rechts, einmal Ober-, einmal Unterkante gehängt, je eine Zeile verschieden großer kleinerer Formate, die nach oben bzw. unten ausschlagen wie die Klangspitzen bei einer Soundaufzeichnung.

Und mittendrin eine Serie von frühen Papierarbeiten von 1976, objekthaft, in Plexiglaskästen geborgen. Eingespannt zwischen die Malerei wirken die durchsichtigen, von allen Seiten einsehbaren Kästen wie ein Schlüssel zum Verständnis des Werks von Richard Bösch. Vergilbtes Papier, Blöcke und Bögen, sind darin gerollt und gefaltet und bringen das Thema des Auf- und Übereinanderschichtens an die Oberfläche. Denn Richard Bösch, der Altmeister der Vorarlberger Malerei, malt, die Sensation im Abstrakten suchend, in tiefen Schichten.

Mit sicherem Instinkt

Legt Farbe über Farbe über Farbe, wie Kunst über das Leben über die Kunst, und bleibt aller Kraft und Dynamik zum Trotz doch Herr seiner mit dem Pinsel geführten Materialschlachten, indem er akribisch und feinfühlig mit sicherem Instinkt vorgeht. Auch die Dunkelheit scheint ein Stück weit aus seinen Arbeiten gewichen zu sein. Assoziativ, wie ein Musiker, aber auch differenziert und subtil, schlägt er Töne an, lässt Farben und Strukturen kommen und gehen. Am Ende stehen Bilder, die sich zur Fläche hin entwickeln und nicht mehr zwischen Figur und Hintergrund unterscheiden. Dabei gerät das Leichte, Spielerische, die Selbstverlorenheit dieser „speziellen Disziplin“ und „zwecklosen Tätigkeit“, die die Malerei für Richard Bösch stets geblieben ist, zuweilen zum zähen Ringen.

Denn Richard Böschs Malerei, in der Kunst und Leben so offensichtlich ineinandergreifen, ist nicht nur ein Teilhaben an der Welt, sondern auch ein Mittel der Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung. „Viele Farbflecke ergeben noch keine reine Malerei“ hat Richard Bösch als wacher und streitbarer Geist einmal selbstironisch und -kritisch unter eine frühere Arbeit geschrieben. Das hindert den Künstler keineswegs daran, das Abenteuer Malerei weiter zu betreiben, täglich, wie ein Alchemist, wie ein Ritual.

Zur Person

Kunstmaler Richard Bösch

Geboren: 1942 in Bregenz

Ausbildung: Akademie der bildenden Künste, Wien

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen, sowie Kunst und Bau-Projekte

Auszeichnungen: u.a. Ehrengabe des Landes Vorarlberg, Hypo Bank Kunstpreis, Internationaler Kunstpreis des Landes Vorarlberg

Wohnort: Hörbranz

Die Ausstellung wird heute, 16. Mai, 19 Uhr im milK_ressort, Alte Sennerei, Agasella 8, in Göfis, eröffnet. Zu sehen bis 13.Juli, So, 14 bis 17 Uhr, sowie nach tel. Vereinbarung unter 0664 5141286.