Jens Dittmar – Von der Zeit des Schreibens

Kultur / 16.05.2014 • 19:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Für Dittmar ist die Zeit des Schreibens angebrochen.  Foto: tok
Für Dittmar ist die Zeit des Schreibens angebrochen. Foto: tok

Von einem Feuerwerk der Ironie und einem Schwergewicht an erlesener Erkenntnis.

thüringen. Weil alles seine Zeit hat, ist für den 1950 geborenen, in Liechtenstein wohnhaften Jens Dittmar die Zeit des Schreibens angebrochen. Die Zeit des Publizierens währt schon länger. Besonders Thomas Bernhard bildet einen herausragenden Schwerpunkt seiner Tätigkeit, in einer gewichtigen, Maßstäbe setzenden Werkgeschichte (Suhrkamp 1981/89) gipfelnd. Nach einer Zeit im Verlagswesen, als Dramaturg und als Geschäftsführer im Kulturbereich legt Jens Dittmar seit 2008 in regelmäßigen Abständen eigene literarische Werke vor. Schon der Erstling „Basils Welt. Eine Zumutung“ (Bucher Verlag Hohenems, 2010) gibt die Richtung vor und legt die Latte sehr hoch. Mit „Als wär’s ein Stück Papier“ (Bucher 2011) und „Sterben kann jeder“ (Bucher 2012) schreibt Dittmar sein Projekt fort.

Dieses Schreiben verfolgt Wort für Wort ein Programm, einen Sonderweg. Der steht schließlich explizit im Titel des jüngsten, im heurigen Frühjahr erschienenen Romans: „So kalt und schön. Ein Sonderweg“ (Bucher Verlag). Es ist vor allem ein besonderer Weg, mit Literatur umzugehen; mit Literatur, die für den Autor sicht- und lesbar eine eigene, wenn nicht gar die Welt ist. Dittmars Zugang zur Literatur wie zur Welt gleichermaßen ist der des wahren Lesers. Das ist nun einer, der ungemein viel, aber deshalb noch lang nicht alles liest. Er ist einer, der an das Gelesene die allerhöchsten Ansprüche stellt. Das Leben ist zu kurz für mittelmäßige Literatur, schrieb Arno Schmidt. Jens Dittmar weiß um die Unabdingbarkeit von Kompromissen. Umso vehementer schreibt er gegen sie an. Das kann den einen oder andern Leser durchaus verstören. Selbst professionelle Leser scheitern an Dittmars so dicht wie elegant gefügtem Werk; sie scheitern an seinem Witz, an seiner stupenden Literatur- und noch mehr: Menschenkenntnis.

Der Schauplatz von Dittmars Büchern ist Liechtenstein: Eine idealere Bühne für den Auftritt seiner welt(ab)gewandten Figuren ist kaum denkbar: Das Große spiegelt sich im Kleinen, das Kleine verzerrt sich ins Große. In Buchform gebracht ergibt das allemal ein Feuerwerk der Ironie, ein Schwergewicht an erlesener Erkenntnis.

Jens Dittmar liest und moderiert am 18. Mai, 17 Uhr, gemeinsam mit Armin Öhri und Christa Eberle in der Villa Falkenhorst in Thüringen.