Der Lauf der Dinge

Kultur / 20.05.2014 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Arbeiten von Soma y Luz sind mystisch, poetisch und atmosphärisch aufgeladen.  Foto: Somay Luz /AG  
Die Arbeiten von Soma y Luz sind mystisch, poetisch und atmosphärisch aufgeladen. Foto: Somay Luz /AG  

Im Künstlerhaus zelebrieren drei spanische Künstler eine Hommage an das Sein.

BREGENZ. „Das Paradies ist nicht im Himmel“ – das Gemälde, das mit seiner Aufschrift diese Erkenntnis liefert, steht fast am Schluss der überaus sorgfältig komponierten, sich über alle Etagen ziehenden Ausstellung „Vom Werden und Vergehen“ im Bregenzer Künstlerhaus.

An die Grenzen, und weiter

Mit Alberto Garcia Alix, Soma y Luz und Vanesco zelebrieren drei spanische Künstler, die sich in ihrem Werk aufeinander und auf den Ort eingelassen haben, ihre ganz besondere „Hommage an das Sein“, so der Untertitel der eigens für Bregenz gemeinsam konzipierten Schau. Berühren, nachdenklich stimmen, an die Vergänglichkeit gemahnen und damit an existenziellen Dingen rütteln, und doch ein starkes Bekenntnis zum Leben, zum Augenblick darstellen – als das kann diese Ausstellung, deren Rundgang eigentlich im Keller beginnt, gesehen werden. Mystisch, poetisch schafft Soma y Luz (geboren 1963) komplexe, weitverzweigte, atmosphärisch aufgeladene Installationen, die Titel wie „Die Freiheit“ oder „Das Brot“, als vielteilige „Autobiografie eines Traumes“ tragen.

Darin vermischen sich Versatzstücke aus dem Leben der Künstlerin, wie der Stuhl, auf dem sie gerne sitzt und nachdenkt, mit gefundenen und gesuchten Gegenständen, den Düften aus ihrer Kindheit und metaphorischen Bildern zu kollektiven Erinnerungen, überdacht von der Leiter, die zu unseren Ahnen führt. Das Innerste nach außen kehrend, Verlust, Ausgrenzung und Schmerz nicht ausklammernd, geht Soma y Luz gerne bis an die Grenzen und zuweilen auch darüber hinaus – erst dann macht Kunst für sie wirklich Sinn.

Raumgreifend

Eines der eindringlichsten Bilder der Ausstellung stammt von Alberto Garcia Alix (geboren 1956) und zeigt in einer S/W-Aufnahme eine Hand mit lackierten Nägeln, die die Flügel eines (toten) Vogels spreizt. Flüchtige und beständige Materie, die Fragilität des Lebens, „es ist der Tod, der die Kunst am Leben hält“, sagt der Fotograf, der mit der „Movida Madrilena“ auch die spanische Zeitgeschichte dokumentiert hat und seine Aufnahmen zu Momenten der Begegnung gerinnen lässt. Ein Schatten, die Füße eines Menschen auf dem Sterbebett, die Tauben, die vor der Kathedrale auffliegen, der spanische Katholizismus, aber auch Momente des Exzesses gehören zu den Motiven, die zum Innehalten auffordern. Unter und über Garcia Alix, im Erd- und im Dachgeschoß die Arbeiten von Vanesco (geboren 1952), der bereits 2000 im Künstlerhaus zu sehen war. Neben Fotoübermalungen und kleineren Arbeiten stehen vor allem zwei raumgreifende Installationen und das „Erdschiff“ im Außenraum im Fokus.

Hinter jedem Hemd der Installation „Wetterleuchten“, deren nach oben geschlungene, verknotete Ärmel an eine Kreuzigung gemahnen, steht ein Mensch und „Hauptsache fesch“ sagt Vanesco. Dabei klammert er die eigene Eitelkeit nicht aus, denn zwei Hemden sind auch von ihm. Doch eigentlich sind die Liebe und der Tod seine großen Themen, im Leben wie in der Kunst, die er auch in „Anker lichten“, einer Installation aus von der Decke hängenden, gehörnten Tierschädeln, bildhaft und zugleich bis fast zur Auflösung weitertreibt.

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10, in Bregenz, bis 22. Juni geöffnet, Di bis Sa, 14 bis 18 Uhr, So und Feiertag, 11 bis 17 Uhr.

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