5832 Stunden Zeit für Kunst

Kultur / 09.06.2014 • 17:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einen Zeitraum von 243 Tagen für das Entstehen ihrer Arbeiten haben Cornelia Blum-Satler und Barbara Schmid festgelegt. Foto: AG  
Einen Zeitraum von 243 Tagen für das Entstehen ihrer Arbeiten haben Cornelia Blum-Satler und Barbara Schmid festgelegt. Foto: AG  

Vereinigung Kunst Vorarlberg zeigt neue Arbeiten von Lis Gort, Barbara Schmid und Cornelia Blum-Satler

FELDKIRCH. (VN-ag) Kein gemeinsames Thema, sondern vielmehr einen Zeitraum von 243 Tagen für das Entstehen ihrer Arbeiten an drei verschiedenen Orten auf der Welt haben Lis Gort, Barbara Schmid und Cornelia Blum-Satler festgelegt. Die Ergebnisse aus diesen genau „5832 Stunden“ aus Taiwan, Graz und Höchst sind derzeit in einer frisch und ungemein leicht wirkenden Schau in der Villa Claudia in Feldkirch zu sehen.

Skulpturen wie Gedichte

Auch wenn es kein einheitliches Thema gibt, so gibt es zumindest gemeinsame Wurzeln, die die drei Künstlerinnen, die schon einmal zusammen ausgestellt haben, verbinden. Neben der Vorarlberger Heimat ist es vor allem der Bezug zum Kunsthandwerk, der sich in den Arbeiten offensichtlich niederschlägt und das ansonsten recht unterschiedlich agierende Trio eint. Mit einer in ihrer Reduktion, Schlichtheit und Verdichtung sehr asiatisch wirkenden Installation wartet die in Taiwan lebende Lis Gort auf. Ihr Ausgangspunkt ist die Gedichtform des Haiku. Inspiriert von Natur und Jahreszeit ist zu jedem Tag im definierten Zeitabschnitt der 5832 Stunden eine kleine, filigrane Haiku-Skulptur, die die Goldschmiedin verrät, entstanden. Auf zwei langen Tischen präsentiert, lädt Lis Gort den Besucher ein, die bis dato fragmentarische Installation zu ergänzen, die noch verpackten Skulpturen auszupacken, am entsprechenden Ort bzw. Datum, das sich an der in Taiwan geläufigen Zeitrechnung orientiert, zu platzieren und mittels zugeordnetem Papier und Bleistift seine Gedanken zu hinterlassen. Aktiv blättern darf man auch in den etwas anderen Büchern von Cornelia Blum-Satler. In ihren 5832 Stunden hat die Höchster Künstlerin die Vielfalt an Papier, die uns tagtäglich in Form von Verpackungen, Zeichnungen, Bildern und Texten, Tüten und Taschen überschwemmt, gesammelt und daraus tagebuchartige Objekte genäht und geklebt.

Das Leben ist bunt

Materialhaft verdichtet, nach Farben und Themen sortiert, fächerartig oder wie kleine Taschen, die mit einem Griff zusammengepackt werden können, präsentiert, hat jedes Buch einen Titel. Aus diesen Material- und Seitenverbänden, die auch etwas sehr Stoffliches und Textiles haben, entnimmt Cornelia Blum Einzelseiten. Auf Leinwand gedruckt, überarbeitet und übernäht, verführt eine große Bilderwand zwischen der Realität des Materials und der aufgedruckten Illusion mit einer Fülle von Information und verspricht „Das Leben ist bunt“ oder „Es gibt sie noch, die guten Dinge“.

„Abhängen“ kann man dagegen in den Installationen von Barbara Schmid (Graz). Mit der ambivalenten Bedeutung des Begriffs spielend, zwischen völliger Entspannung, abhängig sein oder jemanden hinter sich lassen, setzt die von der Keramik kommende Künstlerin Abformungen ihrer eigenen Hände ein. In verschiedenen Situationen steht das durch einen Mullverband verbundene Paar Hände für Handeln und tätig sein, als aktives Partizipieren an der Welt, wirkt aber gleichzeitig marionettenhaft gebunden und leblos.

Gesten und Handlungsfähigkeit werden von Barbara Schmid auf einer produzierenden und auch reproduzierenden Ebene bildhaft durchgespielt.

Die Ausstellung ist in der Villa Claudia, Bahnhofstraße 6, in Feldkirch, bis 6. Juli geöffnet, Fr, Sa, So, 14 bis 18 Uhr.

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