Mundart ist sehr widerständig

Kultur / 10.06.2014 • 19:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der EGS-Chor (easy global singing) widmet sich unter Ulrich Gabriel dem Sprachexperiment sowie der Mundart. Foto: unartproduktion
Der EGS-Chor (easy global singing) widmet sich unter Ulrich Gabriel dem Sprachexperiment sowie der Mundart. Foto: unartproduktion

Autoren und Musiker aus Vorarlberg und der Schweiz machen sich für die Sprache stark.

Dornbirn. (VN-cd) „Nur umgangssprachlich meinen wir mit dem Hochdeutschen ein Schriftdeutsch“, erklärt Ulrich Gabriel. Zum besseren Verständnis erläutert der Autor, Verleger, Musiker und Kulturvermittler die Sachlage: „Die hochdeutschen Mundarten, denen die niederdeutschen gegenüberstehen, teilen sich in mittel- und oberdeutsche Dialekte. Einer der oberdeutschen Dialekte ist Alemannisch. Die alemannischen Dialekte unterscheiden sich zusätzlich dadurch, dass sie sich widerständig in der Sprachveränderung hin zur schriftdeutschen Standardsprache gezeigt haben.“

So, jetzt wissen wir es. Und damit der Veranstalter der Reihe „Mundartmai“ nicht falsch verstanden wird, sei erwähnt, dass Mundartpflege mit Wahrnehmung von Veränderungen einhergeht, nicht mit dem Versuch, sie gar zu verhindern. Gabriel: „Die Zuwanderung hat auch viele Sprachen ins Land gebracht. Die Wirkungsweise dieser neuen Sprachen ist bisher kaum erforscht. Wir wissen aber um viele Misch-Sprachen, Misch-Mundarten, Slangs oder Jugendsprachen. Es entstehen Neuschöpfungen aus witzigen, zum Teil absurden Kombinationen.“ Für Gabriel drängt sich die Frage auf, wie wir mit den Einflüssen umgehen, wenn wir nicht in der Lage sind, die Entwicklungen unserer Mundarten zu erkennen. Im Rahmen des „Mundartmai“ sind in den letzten vier Jahren über hundert Autorinnen und Autoren aufgetreten, 5490 Besucher sind gekommen.

Autoren machen sich stark

Gestern Abend trafen sich zahlreiche Schriftsteller, Literatur- und Mundartfreunde in Dornbirn, um zu beraten, wie es mit der Veranstaltungsreihe weitergehen soll. Nach vier Jahren, in denen sich ein Netzwerk von Autoren, Musikern und Literaturfreunden bzw. Publikum gebildet hat, das sich rege austauscht, ist die Zukunft offen. Dass die eigens dezentralen Veranstaltungen, die mit hohem ehrenamtlichen Aufwand abgewickelt werden, mit der momentanen Subventionssumme in der Höhe von 12.000 Euro nicht mehr stemmbar sind, steht, wie Gabriel wiederholt, fest. Weitere 14.000 Euro hat er über Sponsoren aufgetrieben. Verhandlungsgegenstand ist eine moderate Anhebung. Im Kreise von Musikern und Autoren, zu denen auch zahlreiche junge Schreibende zählen, will man nun Argumente zusammentragen und den Wert der professionellen Förderung oder der wissenschaftlichen Unterstützung von  Mundartliteratur unterstreichen.

Gabriel fährt mit entsprechendem Geschütz auf. „In Bayern pflegt und fördert man die Mundarten, weil man sich neueste Erkenntnisse der Hirnforschung zunutze gemacht hat, nach denen Kinder, die mit Dialekt aufwachsen, eine größere Sprachkompetenz entwickeln.  Das Bayrische Kulturministerium erarbeitete eine Schulbroschüre zum ,Dialekt in Bayern‘.“

Die Sprachenlandschaft ist in Bewegung, Mundarten mischen  mit.

Ulrich Gabriel

Mundartmai in Zahlen

Veranstaltungen: 72 Veranstaltungen an 26 Orten in Vorarlberg und der Schweiz

Vortragende: Dabei lasen über 100 AutorInnen und Vortragende

Musiksolisten: 76 Musiksolisten und Ensembles traten auf

Besucher: Insgesamt sind 5490 Besucher zu den Veranstaltungen gekommen

Netzwerk: Es wurde ein kulturelles Netzwerk aus 85 Autorinnen und Autoren geschaffen

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