Am Anfang war hier das Rad

Kultur / 11.06.2014 • 22:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Theresa Anwander, Abteilungsleiterin im Vorarlberg Museum, wirkt an der Konzepterstellung der Museen im Walgau mit.  Foto: Schlatter
Theresa Anwander, Abteilungsleiterin im Vorarlberg Museum, wirkt an der Konzepterstellung der Museen im Walgau mit. Foto: Schlatter

Sammeln, ordnen, Nutzen ziehen – im Walgau wird Geschichte auf besondere Art erfahrbar gemacht.

Nenzing. (VN-cd) Ein Wagner war es, der an der Herstellung und Entwicklung von Skiern Anteil hatte, arbeitete er doch mit dem bekannten Pionier Hannes Schneider zusammen. Seine Werkstatt ist noch bestens erhalten, jede Menge Gegenstände dienen der Dokumentation früherer Lebens- und Arbeitsweisen sowie der Bedingungen. Der Wagner ist kein Einzelfall, wie Helmut Schlatter von der Kulturgütersammlung Walgau berichtet.

Im Zuge des Regionalentwicklungsprozesses ist, so Schlatter, die Idee entstanden, aktiv auf die Sammler zuzugehen. Eine Grundüberlegung war, diese Sammlungen präsenter zu machen und ein gemeinsames Erscheinungsbild zu entwickeln. Im Walgau existiert kein Museum und überhaupt, erzählt Schlatter, verhält es sich mit dem Walgau anders als beispielsweise mit dem Montafon. Während sich ein Bewohner der südlichsten Talschaft Vorarlbergs als Montafoner sieht, ist die Identifizierung mit dem Walgau schwieriger. „Das hat historische Gründe, die Region war unterteilt in verschiedene Herrschaften.“

Konzept entwickeln

Die Identifikation sei allerdings nicht der maßgebliche Moment, sondern ein Nebeneffekt. Ursprünglich richtete man die Aufmerksamkeit auf ein Museumsdepot. Damit ist es allerdings noch nicht getan. Im Walgau soll ein Konzept entwickelt werden, das einem professionellen Umgang mit den Sammlungen entspricht, den Bestand sichert, eine Grundlage für Forschungen bietet und das zudem Partizipation gewährleistet. Die Bevölkerung soll also Anteil haben, erkennen, welcher Nutzen aus diversen Sammlungen zu ziehen ist. Erwähnt sei beispielsweise die Sammlung Gmeiner in Ludesch. Eine Zimmermannsfamilie hat Gegenstände aufbewahrt. Der Fokus richtet sich auf  Gerätschaften, die mit der Hand zu betätigen sind oder waren. Betrachtern bietet sich eine aufschlussreiche Auseinandersetzung mit Handfertigkeiten, die „verschwunden“ sind, aber Voraussetzung für die berufliche Tätigkeit oder das Meistern des Alltags waren.

Dass man im Walgau eine Leidenschaft für Uhren entwickelt hat, ist in einer Ausstellung des neuen Vorarlberg Museums in Bregenz zu sehen. Und das mit dem Wagner ist eine interessante Geschichte. Auch in dieser Talschaft haben Entwicklungen also mit dem Rad begonnen.

Wir möchten im Walgau ein Konzept für die dokumentierten Sammlungen ent­wickeln.

Helmut Schlatter

Tag der offenen Sammlung

Termin: Sonntag, 15. Juni

» Bludenz: Museum der Stadt Bludenz, im Oberen Tor, Kirchgasse 9, www.bludenz-kultur.at, Führungen mit Werner Hämmerle – Klangturm St. Laurentius, Schloss-Gayenhofen-Platz

» Feldkirch: Elmar Wehinger, Motorradmuseum, Bifangstraße 39, Feldkirch-Gisingen, Führungen nach Bedarf – Karlheinz Mallinger, s’Radiomuseum im Goaszipfl, Neustadt 43

» Frastanz: Harald Ludescher, Kulturgeschichte des Tabaks, Rathaus Frastanz, Sägenplatz 1, Führungen nach Bedarf – Vorarlberger Museumswelt, Obere Lände 3c,

» Ludesch: Othmar Gmeiner, Privatmuseum, Dorfstraße 153, Führungen nach Bedarf

» Nenzing: Artenne, Plattform für Kunst und Kultur, Ausstellung „Walgau sammeln“, „Kunst aus dem Depot“ von Alois Galehr, Kirchgasse 6, Führung um 15 Uhr – Edith Berchtold, Bienenmuseum »Immenhof« Dorfstraße 5, Beschling,  stündliche Führungen mit Edith Berchtold – Otto Schallert, Skiwerkstatt, 1920—50er Jahre, Alte Straße 13, 11 und 14 Uhr Führung

» Schnifis: Dorfrundgang mit Theodor Kohler, 10.30 und 13.30 Uhr, Treffpunkt Gemeindeamt

» Thüringen: Villa Falkenhorst, Familiengeschichte Douglass, Flugelin 3, stündliche Führungen

12. Juni, 20 Uhr, Wolfhaus, Gemeindeamt Nenzing, „Der Walgau im Spätmittelalter, Vortrag von Manfred Tschaikner

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