Musikmeister mit barockem Swing

Kultur / 15.06.2014 • 20:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Publikum bejubelte Musik, die leichtfüßig daherkam.  Foto: JU  
Das Publikum bejubelte Musik, die leichtfüßig daherkam. Foto: JU  

Wolfram Schurig prägte als Leiter und Solist das „Concerto Stella Matutina“.

GÖTZIS. Auch auf jenem hohen Niveau, mit dem „Concerto Stella Matutina“ seit sieben Jahren seine Stammgäste AMBACH verwöhnt, gibt es noch Unterschiede. So leichtfüßig, warmherzig, mit barockem Swing wie beim zweiten Abo-Konzert hat man „CSM“ selten spielen gehört. Ausschlaggebend dafür dürfte der eigentlich mehr als Komponist zeitgenössischer Musik bekannte Feldkircher Wolfram Schurig gewesen sein, der diesmal als Leiter und Solist das Ensemble zu Höchstleistungen inspirierte.

„Der getreue Musikmeister“ als Motto gilt eigentlich dem Komponisten Georg Philipp Telemann. Man hätte dieses Prädikat aber genauso gut auch auf Wolfram Schurig übertragen können, der mit seiner eleganten Erscheinung samt barockem Haarzopf, seinen kundigen Programm-Erläuterungen und vor allem seinem untrüglichen Gespür für die Wirkung dieser Musik im Originalklang-Gewand zum personifizierten „Musikmeister“ unserer Zeit wird. Besser gesagt: zum Meistermusiker. Sogar in der ungewohnten Rolle als Dirigent, der sich auf klug zurückgenommene Einsätze und Kopfnicken beschränkt, macht er gute Figur.

Er beweist in seiner delikaten Programmwahl, dass man seinem berühmten Vorfahren heute zu Unrecht die Punze des beliebigen Vielschreibers verpasst hat. Telemanns Musik besitzt durchwegs hohe Qualität, ist abwechslungsreich und trägt allein locker einen Abend. Vor allem auf diesem klanglichen und spieltechnischen Niveau wie hier, das in der Ausgelassenheit der kräftig akzentuierten Tanzsätze, der Artikulation und der traumhaft ausgeführten Übergänge keine Wünsche offen lässt.

Virtuos und klangschön

In einer Ouvertüre und drei Concerti kommen viele einmal auch solistisch dran, zuvorderst natürlich Wolfram Schurig auf seinen Blockflöten, die er virtuos und klangschön beherrscht und damit auch in Wettstreit mit anderen Instrumenten tritt. Etwa mit der überlegenen Konzertmeisterin Silvia Schweinberger, die ein diesmal komplett weibliches achtköpfiges Violinregister anführt, oder seiner Fagottkollegin Barbara Meditz, die spielfreudig, wenn auch nicht ganz auf gleicher Höhe agiert.

Der versierte Herbert Walser-Breuß als dritter Solist kommt in einem Quartett mit den Tücken seines Naturhornes gut zurande. Lucas Schurig-Breuß ist nicht nur der führende Bratschist im Ensemble, sondern auch dessen Denker mit einer lesbaren Einführung zu Telemann. In einer Bourée treten die beiden Cellisten Thomas Platzgummer und Gerlinde Singer aus ihrem Continuo-Dasein heraus, der verläss­liche Johannes Hämmerle
am Cembalo und vor allem der Alberschwender Armin Bereuter an der Violone geben dem Gefüge ein ebenso flexibles wie stabiles Fundament. Großer Jubel im vollen Saal.

3. Abo-Konzert: 3. Oktober, Kulturbühne AMBACH, Götzis – Birgit Plankel, Sopran, Erich Höbarth, Violine und Leitung

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