Echte Begeisterung für riesigen Klangkörper

Kultur / 16.06.2014 • 21:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Brussels Philharmonic bot mit Strauss‘ „Zarathustra“ ein triumphales Finale.

DORNBIRN. (VN-JU) Zum Saisonschluss von Dornbirn Klassik fuhr am Wochenende ein wirklich großes Orchester auf – eine Besetzung, wie sie der Großteil des Publikums hier nach wie vor liebt. Mit Brussels Philharmonic, dem Traditionsorchester aus der europäischen Hauptstadt, hatte man einen guten Griff getan, mit einem Schwerpunkt zum 150. Geburtstag von Richard Strauss sowieso.

Die 90 Musiker sind bei ihrem Chef Michel Tabachnik seit 2008 in besten Händen – ein souveräner Routinier, der vieles auswendig dirigiert, dabei aber seine temperamentvollen Akzente und gestalterischen Ideen nicht vergisst. So entsteht Debussys Iberia-Suite mit mediterranen Sommerbildern in allen impressionistischen Orchesterfarben. Für den Solopart der Burleske für Pianoforte und Orchester, einem Jugendwerk von Richard Strauss, hat man sich der Mitwirkung der russischen Starpianistin Lilya Zilberstein versichert. Schade, dass diese große Musikerin ihre hohe Kunst des Klavierspiels am untauglichen Objekt verschwendet, denn dieses Stück wirkt nur äußerlich virtuos, ist insgesamt aber unfertig und undankbar. Und es will auch so gar nicht nach Strauss klingen. Solistin, Dirigent und Orchester bringen es dennoch elegant über die Runden.

Faszinosum des Abends

Dafür kann dann der reifere Strauss zum Jubiläum mit seinem Paradewerk „Also sprach Zarathustra“ als Vollender der Sinfonischen Dichtung auftrumpfen. Das ist Musik von ausnehmender Schönheit, zeigt Strauss auf der Höhe seiner Erfindungskraft und musikalischen Charakteristik, in der bereits der „Rosenkavalier“ heraufblitzt. Da sind die Brüsseler nun hörbar in ihrem Element, lassen die Musik in vollem Glanz der schmetternden Hörner, dichten Streicher, kichernden Hölzer und in einer Lautstärke aufblühen, die einer Popband alle Ehre gemacht hätte und die ohnehin problematische Akustik im Kulturhaus ganz schön ins Wanken bringt. Der Effekt heiligt auch hier die Mittel – das Tongemälde, garniert mit feinen Einlagen des Konzertmeisters, wird zum Faszinosum dieses Abends und vielleicht der ganzen Saison.

Saisonbeginn Dornbirn Klassik:
27. September – Symphonieorchester Basel, Elisabeth Leonskaja, Klavier

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