Die Sache mit dem Bordun

Kultur / 17.06.2014 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Hausmusik Fink mit Evelyn, Mutter Wilma und Isabella sowie Sepp Pichler.  Foto: JU  
Die Hausmusik Fink mit Evelyn, Mutter Wilma und Isabella sowie Sepp Pichler. Foto: JU  

Ein außergewöhnliches Bludescher „Orgelkonzert“ mit alten Volksmelodien.

BLUDESCH. Man geht fremd, und das mit System: Das jeweils zweite der dortigen Orgelkonzerte findet in der Nikolauskirche statt, die gar keine Orgel besitzt. Das gibt dem Organisten Bruno Oberhammer, der seinen Zyklus als Kurator heuer bereits im 44. Jahr betreut, Gelegenheit zu allerlei neuen Ideen. Jüngst wurde geistliche und weltliche alpenländische Volksmusik aus vier Jahrhunderten durch den Grazer Ethnologen Sepp Pichler und die Andelsbucher Hausmusik Fink zu einem musikalisch hochwertigen Quodlibet verbunden.

Das Kirchlein St. Nikolaus von 842 gilt als älteste Kirche des Landes. Es bietet als akustisch wunderbares Kleinod das stimmige Ambiente für ein Programm, das so ziemlich aus dem gewohnten Rahmen fällt. Wo sonst findet man einen Wissenschaftler, der auch in der Praxis mit alten Instrumenten wie der Schäferpfeife, der Drehleier und einem sogar mehrstimmigen Dudelsack virtuos umzugehen weiß? Der international tätige Sepp Pichler, erstmals in diesem Rahmen zugange, erweckt diese instrumentalen Zeugen der Vergangenheit zu klingendem Leben, entlockt ihnen verblüffend schnarrende oder näselnde Klänge. Und erzählt dazu über Melodien, die vor Hunderten von Jahren aus gläubigem oder profanem Anlass entstanden und in alten Handschriften und Sammlungen überliefert worden sind.

Lust am Singen

Die Hausmusik Fink mit Mutter Wilma (Zither) und den Töchtern Evelyn (Violine) und Isabella (Cello) nimmt ihre Zuhörer mit auf eine Zeitreise. Bei aller fundierten Strenge und Originaltreue, die sie gerne pflegen, spürt man auch ihre unbändige Lust am Singen und Musizieren, mit denen die drei den uralten Volksweisen jede Art von Lehrhaftigkeit austreiben. Auf der Basis eines traumhaft ausgewogenen Gleichklangs der Stimmen von größter Natürlichkeit und ihren instrumentalen Fertigkeiten führen sie einen Wälder „Brodjohlar“ mit kleinen Aperçus verfremdet, mit Augenzwinkern in die Gegenwart; stellen die Originalmelodie „Sonnenschön prächtige“ des Laurentius von Schnifis der heutigen gegenüber oder lassen den uralten Alpsegen erklingen. Evelyn weiß dazu aus ihrem wissenschaftlichen Fundus Geschichten über das soziale Umfeld von damals zu erzählen: von Hexen natürlich oder von der Jungfer, die in einem Spottlied aus dem 17. Jahrhundert um den ersehnten Mann alle Heiligen anruft.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Bordun, der in diesem Programm den roten Faden bildet. Die geheimnisvolle Quinte klingt als Symbol für das nie Endende, einer Art Perpetuum mobile der Volksmusik, sowohl auf Pichlers Instrumentarium wie auf Vio­line und Cello bei fast allen Stücken mit. Oft gibt es auch Gemeinsames, zum Schluss einen klangvollen „Alpera in A“, mit dem die Musiker und ihr Publikum aus der Kirche ausziehen . . .

Hörfunkwiedergabe: 22. Juni, 20.05 Uhr, Radio Vorarlberg. Nächstes Bludescher Orgelkonzert am 14. September, mit dem Bläserensemble B-A-C-H