Höchst interessante Einblicke

Kultur / 17.06.2014 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
David Pountney: „Es ist keine Eitelkeit, das Buch zeigt, was das gesamte Team geschafft hat und wie wichtig es ist, die Festspiele zu haben.“ Foto: BF
David Pountney: „Es ist keine Eitelkeit, das Buch zeigt, was das gesamte Team geschafft hat und wie wichtig es ist, die Festspiele zu haben.“ Foto: BF

„Der fliegende Engländer“ porträtiert nicht David Pountney, sondern seine Arbeit und einen speziellen Ort.

Bregenz. (VN-cd) Er ist Ende der 1980er-Jahre als Regisseur der Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ auf dem See nach Bregenz gekommen und habe als Intendant, so die Herausgeber, Überflieger-Qualitäten entwickelt. Die Arbeitsweise und vor allem die Kreativität von David Pountney und seines Mitarbeiter- und Künstler-Teams sollen im gut 350 Seiten starken Werk „Der fliegende Engländer“ zum Ausdruck kommen. Dem Leser eröffnet sich jedenfalls eine enorme Fülle an interessanten Details, an deren Offenbarung Pountney selbst entscheidenden Anteil hat.

Warum Gerard Mortier und die Komische Oper Berlin eine Koproduktion zwar bezahlten, die Realisierung aber ablehnten und wie ein Warschauer Kollege intuitiv die Übernahme von Festspiel-Produktionen in die Hand nahm – so etwas erfahren ansonsten selbst jene Besucher nicht, die sich eingehend mit den Stücken befassen. Und wenn wir uns rückblickend an das Kopfschütteln darüber erinnern, dass die Wiener Symphoniker vor ein paar Jahren bei See-Produktionen von der Seebühne ins Festspielhaus verbannt wurden, so lässt es doch schmunzeln, dass dem Intendanten bei der Idee ursprünglich selbst nicht ganz geheuer war. Dirigent Fabio Luisi soll den Anstoß dazu gegeben haben, als er die Übersiedelung als Lösung eines gerade anstehenden Problems erwähnte. Dass die Festspiele so etwas als Herausforderung annehmen, zeigt sich auch bei weiteren nun offen gelegten Entscheidungen. „Die beteiligten Menschen, die Künstler, sind mir wichtig“, erklärte Präsident Hans-Peter Metzler die Überlegungen zur Konzeption des Buches, die die Festspiel-Mitarbeiter Axel Renner und Dorothée Schäfer verantworten.

Rund 75 Autoren

Rund 75 Autoren – darunter Sänger, Regisseure, Komponisten, Bühnenbildner und Personen aus dem Leitungsteam – haben die etwa hundert Beiträge verfasst. Man solle sich kein Blatt vor den Mund nehmen, lautete der Auftrag. Kritische Anmerkungen zu Inszenierungen kommen also durchaus vor. Den Textteil des Buches mit einem kurzen Mail zu beginnen, in dem ein „Kollege“ meinte, nichts schreiben zu können, weil er von der Intendanz enttäuscht sei, auf diesen Vorschlag von David Pountney sind die Verantwortlichen dann doch nicht eingegangen. Dorothée Schäfer meinte bei der gestrigen Präsentation, sich in dem Punkt gegen den Intendanten durchgesetzt zu haben und täuscht sich. Schließlich hatte Pountney die Story einfach erzählt. Der Name ist der Redaktion bekannt, ihn zu erwähnen, wäre nicht erläuternd angesichts von Texten, die keinesfalls der Sockelbildung für ein Intendantendenkmal dienen, sondern sich als intensive, informative und sehr unterhaltende Auseinandersetzung mit Musik und Theater lesen.

Es sollte auch geschrieben werden, was nicht perfekt lief.

Axel Renner

Das Buch ist ab heute bei den Bregenzer Festspielen erhältlich. Die Saison beginnt heuer am 23. Juli.