Die Jungen entfachen einen „Sturm“

Kultur / 18.06.2014 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Jugendclub 16+ des Vorarlberger Landestheaters probt für die Aufführung von Shakespeares „Der Sturm“. Foto: VN/Hartinger
Der Jugendclub 16+ des Vorarlberger Landestheaters probt für die Aufführung von Shakespeares „Der Sturm“. Foto: VN/Hartinger

Das „Boje“-Festival ist das, was die verschlafene Bodenseeregion brauchen kann.

Christa Dietrich

Bregenz. Sie mögen noch so schön sein, Gewässer sind auch trennende Elemente und der Weg von Konstanz (also von der großen Stadt am westlichen Bodenseeufer) bis nach Bregenz erweist sich oftmals als länger und beschwerlicher als man denkt. Die IBK (Internationale Bodensee Konferenz) mit Mitgliedern aus allen Anrainer-Ländern war guter Dinge, als sie im Rahmen eines Wettbewerbes, bei dem das Vorarlberger Landestheater sehr gut abgeschnitten hat, Anstoßhilfe für ein Kinder- und Jugendtheaterfestival gab.  Es sollte eines sein, bei dem junge Akteure selbst auftreten, betreuen doch die Häuser rund um den See  Ensembles mit Amateuren bzw. Schülern. „Boje“ findet heuer erstmals in Bregenz statt. Es wird einiges abgehen, es könnte, wie man erfahren hat, aber auch noch viel mehr los sein. Und das liegt sicher nicht an den jugendlichen Akteuren, sondern an den Theaterleitern in Konstanz und St. Gallen, die ihre Aktivitäten im Zuge der Programmerstellung wieder zurückschraubten.

Für das Vorarlberger Landestheater und dessen Theaterpädagogin Nina Kogler hat „Boje“ auf jeden Fall Zukunft. Sie setzt auf die Kreativität der jungen Menschen, die sie in letzter Zeit – man denke etwa an das so witzige wie informative Museumsführungsprojekt des Jugendclubs 10+ – sogar selbst erstaunt hat. Eine Fortsetzung des Festivals in zwei Jahren ist jedenfalls bereits vereinbart. Es wird in der Stadt Friedrichshafen stattfinden. Von dort kommt heuer der Generationenclub Kiesel mit dem Stück „Whattsapp Oma“, in dem Menschen im Alter von sechs bis 75 Jahren mitwirken. Ein Theaterjugendclub wird auch in Liechtenstein betreut. Die Akteure sind zwischen 13 und 15 Jahre alt. Der Jugendclub des Feldkircher Saumarkttheaters zählt ohnehin zu den Vorzeigeunternehmen, das sich an Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ traut. Den Streit zweier befreundeter Elternpaare einmal aus der Perspektive der Jugendlichen zu sehen – das hat etwas.

Shakespeare zieht

Während sich Jugendliche aus Mäder gerade noch einen Festival-Startplatz erobert haben, hat sich der Club 16+ des Landestheaters an einen Klassiker gemacht. Als Regisseur Marcus Harms Shakespeares „Der Sturm“ vorschlug, waren die jungen Leute sofort angefeuert, versichert man. Auch derartige Klassiker erachtete man keineswegs als verstaubt und schuf eine Fassung, für deren Präsentation gestern noch die musikalisch wild durchhauchten Endproben stattfanden.

Hörstationen

Dass junge Vorarlberger sehr gut in der Lage wären, nicht nur Bühnenstücke zu realisieren, sondern auch Hörspiele, sollte bei „Boje“ nicht zu kurz kommen. Sechs Autoren zwischen 16 und 20 Jahren, darunter Linda Achberger, Alina Birkel, Katharina Klein und Felix Kalaivanen haben, betreut von der Schriftstellerin Daniela Egger, Texte verfasst. Die Themenwahl erstaunt, doch in Verlegenheit kamen die Schreiber nicht. Felix Kalaivanen beispielsweise schildert Alltagssituationen, in denen eine Frau um die 80 nicht mehr zurechtkommt. Der Sohn macht sich Sorgen, erinnert sich beim Treffen mit einem Freund, dass man vor Jahrzehnten einmal Joints geraucht hat, die Mutter hat es locker weggesteckt und auch einen tiefen Zug genommen. Damit wurde die Sache nicht aufgebauscht und hatte sich erledigt. Ob das die Spätfolgen sind?

Keinesfalls, aber die Geschichte ist klug aufgebaut und wird während des Festivals an Hörstationen auf dem Kornmarktplatz abrufbar sein. „Ich lebe in meiner Welt, wie ich es immer wollte; lebe mit mir selbst und doch nicht allein. Ich kann mich nicht beklagen; mich auf meine Vergesslichkeit verlassen, denn sie löscht, was ich selbst nicht zu löschen vermag“, schreibt Alina Birkel. „Es gibt nur, was wir uns selbst in unseren Köpfen zusammenspinnen, uns wie Lebensmuster vor die Augen legen, richtig und falsch getrennt voneinander anpflanzen, als wäre unser Kopf ein Blumenbeet, als könnte man seine Gedanken wie Samen einsetzen und ihnen beim Wachsen zusehen“, heißt es bei Katharina Klein. Es ist gut, da hinzuhören.

Es ist der Beginn einer Festivalreihe, deren Fortsetzung bereits in Friedrichshafen geplant ist.

Nina Kogler

Festivalstart mit „Der Sturm“ am 19. Juni, 19.30 Uhr,  Kornmarkttheater Bregenz. Aufführungen am
19. Juni um 12, 15 und 17 Uhr