Wohlriechender Dornenkranz

Kultur / 18.06.2014 • 19:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es klinge zwar abgedroschen, so der Bildhauer, aber hier gelte es wirklich mit dem Raum zu arbeiten. Foto: AG  
Es klinge zwar abgedroschen, so der Bildhauer, aber hier gelte es wirklich mit dem Raum zu arbeiten. Foto: AG  

In der Johanniterkirche zeigt Martin Steinert ein Werk aus 2500 Fichtenholzlatten.

FELDKIRCH. „Wenigstens riecht es gut“, so ein lakonischer Kommentar zur Installation von Martin Steinert in der Johanniterkirche. „Nein, es riecht auch noch gut“, möchte man dem wenig kunstbeflissenen Besucher und dem olfaktorischen Nebeneffekt entgegnen, denn die Holzinstallation des saarländischen Bildhauers hat ungleich mehr Qualitäten, als nur den Geruchssinn zu befriedigen.

Mit dem Raum arbeiten

Begonnen hat Martin Steinert klassisch als Steinbildhauer. Vor zehn Jahren ist der Stein dem Werkstoff Holz gewichen – aus pragmatischen Gründen und aus einem gestalterischen Bedürfnis heraus, denn Steinert geht mit seinem Material gern an die Grenzen. Während im kleinen Format dichte, kompakte Hochglanz-Objekte für die Wand entstehen, drängt es den Künstler aber eigentlich, wie es in der Natur der bildhauerischen Sache liegt, zum großen Format und zur Monumentalität. So entstehen im größeren Maßstab, aus rohen, grob belassenen Holzlatten auch immer wieder Arbeiten für den öffentlichen Außenraum. Tektonische Gebilde, Konstruktionen aus additiv zusammengeschraubten Brettern, die im Gegensatz zu den hermetischen, massiven Formen der Wandobjekte trotz ihrer Dimensionen eine transparente Leichtigkeit vermitteln und mit der Zeit von der Natur eingenommen werden. Mit der Johanniterkirche, die der Künstler mit Familie in Vorarlberg von etlichen Besuchen her bestens kennt, trifft Martin Steinert nun auf einen Raum mit besonderen Bedingungen. Es klinge zwar ziemlich abgedroschen, so der Bildhauer, aber hier gelte es wirklich mit dem Raum zu arbeiten. So sei ihm die Idee zu einer Konstruktion gekommen, die die Wände besetzt und das Zentrum des Raumes leer lässt.

Konstruktiv und grafisch

Ohne konkrete Assoziationen zur Bedeutung des Ortes geht es Martin Steinert zuallererst und ausschließlich um die Erscheinung, um das Hereinbringen einer neuen Ästhetik, die das Vorhandene nicht stört. Mithilfe von rund 2500 Fichtenholzlatten, je einen Meter lang, und ca. 7000 Schrauben verläuft die Holzinstallation auf 2,5 Metern Höhe wie ein dreidimensionales Fries die Wände entlang, als starkes, präsentes Statement und zurückhaltend-sensible Geste zugleich, die vom Wechsel des (Tages-)Lichts lebt. Raumbestimmend, raumbildend, materialhaft und filigran, wirken die Holzlatten mit ihren unzähligen Verbindungen und Verzweigungen ebenso konstruktiv wie grafisch. Was wie ein Geflecht aus der Wand herauswächst, erzeugt im Kontext des Kirchenraumes unweigerlich Assoziationen. Martin Steinert: „Dass sich bei der Installation die Assoziation eines Dornenkranzes aufdrängt, hat natürlich mit dem räumlichen Zusammenhang zu tun, hat aber keine von mir gewollte inhaltliche Bedeutung. Mir geht es darum, ein Raumgefühl, ein ästhetisches Erlebnis zu schaffen.“ Den Dornenkranz kann man sehen, muss man aber nicht. Vor allem aber schafft das Holzlattengerüst eine Verklammerung des dunkleren Kirchenschiffes und der helleren Apsis und somit eine neue Wahrnehmung des Raumes. Und zugegeben: Das viele Holz riecht tatsächlich gut.

Zur Person

Martin Steinert, Bildhauer

Geboren: 1959 in Saarbrücken

Ausbildung: gelernter Bildhauer, Studium der Kunst­geschichte

Laufbahn: war Leiter einer Galerie in Saarbrücken, seit 1988 freischaffender Bildhauer, zahlreiche Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum

Wohnort: Saarbrücken

Geöffnet in der Johanniterkirche, Marktgasse, in Feldkirch, bis
6. September, Di bis Fr, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 14 Uhr.