Detektive und ihr Sturz

Kultur / 20.06.2014 • 17:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch die Szene mit Sherlock Holmes und Moriarty bei den Reichenbachfällen wird behandelt. Foto: AP
Auch die Szene mit Sherlock Holmes und Moriarty bei den Reichenbachfällen wird behandelt. Foto: AP

Nostalgisch unterhaltend: Sherlock Holmes und seine Spuren zwischen Ill und Frutz.

roman. (VN-cd) Dass der Mathematiker und Theologe Georg Joachim Rheticus vor 500 Jahren in Feldkirch geboren wurde, wäre an sich ein großes Thema, das in Vorarlberg durchaus präsenter sein könnte. Dass James Joyce (1882–1941) einmal in der Stadt weilte und dass sich dort das Schicksal seines Romanes „Ulysses“ entschieden hat, wird jedem Ankömmling mit der Bahn verdeutlicht. Und auch Arthur Conan Doyle (1859-1930) hat sich so in die Stadtgeschichte geschlichen, als wäre seine Figur Sherlock Holmes wirklich in Feldkirch kreiert worden.

Etwaige Beweise dafür wären für die Unterhaltungsliteratur ein gefundenes Fressen, und die Mitglieder der Londoner Sherlock Holmes Society würden neben dem Schweizer Meiringen wohl auch Feldkirch zu einem wichtigen Ort ihrer Treffen küren. Zwischen Rankweil und Laterns fand Marlene Kilga jedenfalls eine Schlucht, die mit dem Reichenbachfall mithalten kann. Dort hatte der Meisterschnüffler ja seinen Widersacher Moriarty erledigt. Jener Todesfall, den die Vorarlberger Autorin schildert, nimmt sich weit weniger pathetisch, aber immerhin mysteriös aus. Eine junge Frau kommt dort ums Leben. Hayley Evans hatte ein Manuskript aufgespürt, das der spätere Sir Arthur Conan Doyle noch während seiner Studienzeit an der Stella Matutina in Feldkirch verfasst haben soll und in dem Holmes zum ersten Mal auftritt.

Buchhandlung „Wein.Lese“

Kurzfristig liegt das wertvolle Stück auch einmal in der Café-Buchhandlung „Wein.Lese“, mit der Martha Keller versucht, sich nach einem Aufenthalt in Belgien und der Trennung vom stets beschäftigten Ehemann eine zweite Existenz in der ehemaligen Heimat aufzubauen. Dass sie wieder an einen Kriminaler gerät, der die Aussicht auf eine geruhsame Freizeitgestaltung zunichte macht, ist ein witziger Aspekt, andererseits sind alle auftretenden Figuren bis hin zum Teenager-Kind nicht nur Protagonisten im weniger interessanten als breit getretenen Privatleben, sondern auch wichtige Hilfen bei der Entlarvung eines Falles, der sich schließlich – abgesehen von heftigen Stürzen und letalen Zwischenfällen – fast im Sand oder Müll verläuft.

Die Kellers sind aus Kilgas Erstling „Dr. Faust in der Marktgasse“ bekannt. Die Autorin spielt gern mit literarischen Figuren und Namen, schildert den Alltag bis hin zur Detailversessenheit, verleiht ihren Hauptfiguren hingegen aber eher wenig Konturen. Womöglich sollen die aber noch verstärkt werden, denn „Ihr letzter Fund“ dürfte nicht die letzte Keller-Story sein. Leser mit Verlangen nach lockerer Unterhaltung dürften ihr treu bleiben.

Zur Person

Marlene Kilga

Geboren: 1973 in Feldkirch

Ausbildung: Studium Anglistik und Germanistik in Gent

Tätigkeit: Schriftstellerin, Sprachlehrerin

Publikationen: „Dr. Faust in der Marktgasse“, „Ihr letzter Fund“

Marlene Kilga: „Ihr letzter Fund“, Kriminalroman, Verlag Bucher, 290 Seiten