Wie Vanilleeis mit Sahne

Kultur / 22.06.2014 • 20:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In der Besetzung bewundert man etwa die Duette von Sara Ruiz Martinez an der Viola da Gamba und Kaspar Singer am Barockcello.  Foto: JU
In der Besetzung bewundert man etwa die Duette von Sara Ruiz Martinez an der Viola da Gamba und Kaspar Singer am Barockcello. Foto: JU

Thomas Engel und sein Ensemble conSequenza führten launig nach Venedig.

FELDKIRCH. Am Wochenende war bei „Musik in der Pforte“ wieder die Barock-Sektion am Werk. Grund genug für viele, diesen Abend trotz aktueller Fußball-WM mit Thomas Engel und seinem fabelhaften Ensemble conSequenza zu verbringen, die gemeinsam 400 Jahre alte Musik aus Venedig in stimmiger Interpretation und launiger Moderation zu neuem Leben erweckten.

Engel hat übrigens eine Karriere der besonderen Art gemacht. Er unterrichtet an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Passau und Regensburg und verwirklichte dort auch erstmals ein szenisches Projekt mit Musik von Monteverdi und Bach, das ihm in ähnlicher Form auch für Feldkirch vorschwebt. So wie er diesmal in frei gesprochenen, sehr persönlichen Texten zum lockeren und fachkundigen Reiseführer durch die einstige europäische Kulturhauptstadt Venedig wurde, kann man ihn sich sehr wohl auch für größere Aufgaben vorstellen.

Das Programm selbst, das Engel aus alten Handschriften rekonstruierte und ergänzte, geht mehr in die Tiefe als in die Breite und ermöglicht Begegnungen mit längst vergessenen Komponisten. Auch die Beschränkung auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts bringt keine Einengung, sondern zeigt große Vielfalt und Reife der Stimmführung in den Sonaten und Canzonen eines Cavalli, Neri oder Frescobaldi. Engel hat oft verschiedene kleine Stücke eines Komponisten zu kleinen „Medleys“ gebündelt, wie wir heute sagen würden. Auch wenn da kein einziger barocker „Ohrwurm“ dabei ist, lauscht der volle Saal gebannt diesen auf eigenartige Weise berührenden, intim schimmernden warmen Klängen in „tiefer“ Stimmung, auf alten Instrumenten und ebensolcher karger Spielweise ohne romantisierendes Vibrato.

Wunderbares Kollektiv

In der sechsköpfigen internationalen Besetzung, die sich in den letzten Jahren zu einem wunderbaren Kollektiv zusammengespielt hat, bewundert man neben dem transparenten Gesamtklang mit der integrierten Blockflöte von Thomas Engel etwa die sonoren Duette, in denen sich die Bassstimmen von Sara Ruiz Martinez an der Viola da Gamba und Kaspar Singer am Barockcello umschlingen. Die Japanerin Chiharu Abe an der Barockvioline ist eine Klasse für sich, Johannes Hämmerle, virtuos zwischen Cembalo und Orgel pendelnd, sorgt zusammen mit Thor-Harald Johnsen an der Chitarrone für ein bewegliches Continuo-Fundament.

Ein wörtliches Sahnehäubchen setzt Engel seiner Moderation auf, als er finale Stücke von Uccellini ankündigt: „Das ist sommerlich leichte Kost, wie Vanilleeis mit Schlagsahne.“

Hörfunkwiedergabe 29. Juni, 20.05 Uhr, Radio Vorarlberg. Nächstes „Pforte“-Konzert:
12. September

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