“Alterssünde” super musiziert

Kultur / 23.06.2014 • 21:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Fein abgestimmt gelangen die vielfältigen Kooperationen zwischen Solisten, Chor und Orchester.  Foto: HT  
Fein abgestimmt gelangen die vielfältigen Kooperationen zwischen Solisten, Chor und Orchester. Foto: HT  

Petite Messe solennelle erlebte eine ebenso schwungvolle, emotionale wie präzise Aufführung.

Dornbirn. (VN-HT) Diese „Alterssünde“, wie der 71-jährige Rossini selbst sein Werk bezeichnete, verzeiht man dem Maestro gerne, wenn sie mit solcher Lebendigkeit und Drive musiziert wird, wie am Sonntagabend in der Dornbirner Pfarrkirche St.Leopold unter Guntram Simma, der die Orchesterfassung gewählt hatte. Zur Verfügung standen ihm der Madrigalchor, der Chor des Vorarlberger Landeskonservatoriums, vier glänzend gestimmte Solovokalisten und das Collegium Instrumentale Dornbirn, die alle gemeinsam einen imposanten Eindruck hinterließen.

„Das hat mich aber richtig gepackt“, erschauerte ein Hörer am Ende. Treffender lässt sich die Wirkung dieses monumentalen Werks voller Emotionen, in dem lyrische und heitere Momente mit aufbrausenden, ja gigantischen Eruptionen wechseln, nicht ausdrücken. Ein souverän und mit äußerster Konzentration agierender Dirigent Guntram Simma hatte diese Palette an dynamischen Kontrasten, vor allem den typisch italienischen Rhythmus, voll im Griff. Ohne Taktstock modellierte er mit sparsamer Geste die großen Linien und führte seine Akteure präzise über heikle Einsätze vom Pianissimo bis zu orgastischen Fortefortissimi. Dass Differenzierungen gerade bei diesen Ausbrüchen etwas unter dem Kirchenhall litten, ist nicht seine Schuld.

Gute Sprachkultur

Allein die Sprachkultur der Solisten – jedes Wort war klar verständlich – fiel schon positiv auf. Sopranistin Helen Rohrbach strahlte in ihrer Partie in schönstem Belcanto, ohne das Opernhafte zu übertreiben. Martina Gmeinder, Alt, die eben erst als „Schöpfung“ in Calderons Großem Welttheater des Landestheaters gefiel, fand als Mezzosopranistin ihren stärksten Ausdruck in mittleren und höheren Lagen und sorgte im subtilen finalen „Dona nobis pacem“ mit ihrer flehentlichen Bitte, die bis ins Hochdramatische drängt, für tiefe Erschütterung. Tenor Peter Schmitz bestand seine Höhen tadellos und ohne zu pressen, Bass Christian Feichtmair gestaltete seinen Part einfühlsam und schlank.

Fein abgestimmt und höchst aufmerksam gelangen die vielfältigen Kooperationen zwischen Solisten, Chor und Orchester. Jede Gruppe bot ihre Topleistung. Simma bedankte sich während des nicht enden wollenden Applauses bei Benjamin Lack, der ihm den auf dieses Konzert schon vorbereiteten Konservatoriumschor zur Verfügung gestellt hatte.

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