Ein Autor fragt, der andere sucht

Kultur / 27.06.2014 • 18:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
   
   

Die Suche eines Mannes nach dem Mörder seiner Frau gerät zur Tortur.

Romane. Wajdi Mouawad ist ein viel gespielter Dramatiker. Sein Stück „Verbrennung“ ging um die Welt, und die Verfilmung wurde unter dem Titel „Die Frau, die singt“ 2010 für einen Oscar nominiert. Mit „Anima“ legt er nun seinen ersten Roman vor und überrascht.

Ein Mann ist auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau. Sie wurde auf brutale Weise umgebracht, er will sich rächen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die Polizei den Täter zwar kennt, ihn aber unangetastet lassen will, da er sich in einem Indianerreservat befindet und als Informant dienlich ist. Nach demselben Muster wird nun auch während seines Aufenthalts eine Indianerin ermordet. Durch diese Ereignisse bedingt, bricht die höchst traumatisierende Vergangenheit über den Mann herein.

Tiere erzählen die Geschichte

Die Geschichte wäre nur halb so spannend, wenn sie nicht aus einem besonderen Blickwinkel erzählt werden würde: Tiere, die den Mann durch halb Kanada und Amerika begleiten, bekommen vom Autor eine Stimme verliehen, sie treiben den Plot voran. Von Insekten über Hunde und Wölfe stehen die Tiere nach dem Verlauf der Evolution Pate. In „Anima“ werden Mythen verarbeitet, und auch eine innere Reise an die Geburtsstätte des Autors, in den Süd-Libanon, spielt eine wichtige Rolle. Hier werden die grausamen Ereignisse während des Bürgerkriegs dargestellt. Eine wenig glaubhafte Täterschaft wirft zwar einen Schatten auf das Werk, „Anima“ ist jedoch ein äußerst lesenswerter Roman, der nicht nur Thriller-Freunden ein Erlebnis bietet.

99 Fragen

Über Moritz von Uslar gibt es viel zu berichten. Mit „Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung.“ schrieb er einen einfühlsamen Roman über den tristen Alltag in der Brandenburger Kleinstadt Zehdenick. Uslar mag man aber vor allem, weil er wunderbare Interviews macht. Mit dem Sammelband „100 Fragen an …“ machte er vor einigen Jahren Furore, immerhin brachte er damit Prominente wie Mick Jagger und Heidi Klum zur Verzweiflung oder zur Besinnung, je nachdem. Nun legt Uslar seinen neuen Interview-Band „99 Fragen an …“ vor. Er geht seine Fragestunde ruhiger an und liegt damit trotzdem nicht schlecht. Den krebserkrankten Helmut Dietl sowie den manischen Werner Herzog bat er zum Gespräch. Unterwürfig ging er zum Literaten Hans Magnus Enzensberger, keck zu Diane Kruger und ein gar nicht so unkritisches Interview holte er sich bei Anna Netrebko ab. Ob es wirklich klug von ihm war, brav und gesittet geworden zu sein, ist fraglich, dennoch kann er mit seinen unerwarteten Fragen immer wieder für Spannung sorgen und an die Grenze geht er noch allemal: „Ich würde mich nicht noch einmal von ihm interviewen lassen“, meint zum Beispiel Angela Merkel.

   
   

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