Schöner Gegenentwurf

Kultur / 27.06.2014 • 18:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Vogel-Katze-Hund“ wurde im Rahmen von „Luaga & Losna“ uraufgeführt.  Foto: Wöllgens  
„Vogel-Katze-Hund“ wurde im Rahmen von „Luaga & Losna“ uraufgeführt. Foto: Wöllgens  

Beim Festival „Luaga & Losna“ geht es um große Themen und große Leistungen.

Nenzing. Im Rahmen des Theaterfestivals „Luaga und Losna“ wurde das Tanztheaterstück „Vogel-Katze-Hund“ des Vorarlberger Theaters Minimus Maximus uraufgeführt. In dem Stück für Kinder ab vier Jahren schließen ein Vogel, eine Katze und ein Hund Freundschaft. Bald kommt es zum Streit, wer der beste Freund des Vogels sei und der Vogel bleibt alleine zurück.

Nun tritt ein Mensch, Johannes Rausch in einem überdimensionalen Puppenkostüm, auf. Er spielt mit einem ferngesteuerten Roboter, der schließlich kaputt wird. Bei seiner Suche nach einem neuen Spielpartner trifft er auf den Vogel. Doch die schiere Größe des Menschen schreckt den Vogel ab.

Der Mensch greift zu einer List und es gelingt ihm, den Vogel in einen Käfig zu sperren. Während der Mensch zufrieden schlafen geht, kommen Hund und Katze zurück, den Vogel zu befreien . . .

„Vogel – Katze – Hund“ kommt völlig ohne Worte aus. Autor Johannes Rausch hat eine poetische Geschichte geliefert, die die Choreografin und Darstellerin der Katze Aleksandra Vohl mit äußerster Präzision umgesetzt hat. Martin Birnbaumer spielt den sympathischen Hund. Carina Huber verkörpert den Singvogel mit unglaublicher Leichtigkeit. In der Musik von Matthias Bitschnau finden die Darsteller einen unsichtbaren Mitspieler.

Ein äußerst liebevoll in Szene gesetztes Tanztheaterstück für alle, die sich gerne in eine andere Welt entführen lassen wollen.

Große Töchter

Wer sind die großen Töchter Österreichs, die sich nicht wegdenken lassen und seit 2012 offiziell in der österreichischen Bundeshymne besungen werden?

Das Theater „Die Heroldfliri“ unter der Regie von Barbara Herold zeigt in einer Collage aus acht Porträts ein Spektrum bedeutender Frauen, das von Bertha von Suttner bis Ute Bock reicht und dazwischen in verschiedene Richtungen ausschlägt. Was zu Beginn eher erzählerisch vermittelt wird, gestaltet sich zunehmend als präzises und lebhaftes Spiel von Maria Fliri und Peter Bocek. Sie schaffen gar das Kunststück, die Zuschauer gewisse Ähnlichkeiten zwischen ihren Gesichtszügen und denen ihrer Originalvorbilder feststellen zu lassen.

In windschlüpfrigen Skianzügen und mit Hilfe weniger Requisiten bespielen sie das rot-weiß-rote Bühnenbild von Caro Stark. Die Texte entspringen mehrheitlich Originaldokumenten, woraus sich immer wieder realsatirische Momente ergeben.

Zurück bleibt das reichhaltige Bild einer – zum Glück – unvollständigen Auswahl und die Frage, was wir von großen Töchtern und Söhnen in Österreich und anderswo erwarten: Wohl den Mut, gewisse zeitbedingte Normen zu überschreiten.

Erwachsen werden

Mit dem Titel „Alice in der Wunder-Hörmaschine“ (Text: Reinhold Stumpf nach Lewis Caroll) präsentiert das Theater Zeppelin die Geschichte von „Alice im Wunderland“ in einer One Woman Show (Regie: Yvonne Zahn). Die zum Teenager gereifte Alice langweilt sich beim Kaffee- und Kuchenkränzchen der Eltern und beamt sich mittels ihrer Lieblingsmusik ins Wunderland. Dort erwartet sie das bekannte Personal vom Hutmacher über den weißen Hasen bis zur Grinsekatze. Da Alice kein Kind ist, verliert sie sich nicht im Strudel der Ereignisse um die seltsamen Geschöpfe, sie stoppt, wundert sich und reflektiert. Das ist ein großer Zugewinn und Spaß für die Zuschauer. So wird Alice zu einem selbstbewussten Mädchen, das auf der Suche nach sich selbst an den Begegnungen im Wunderland reift. Maria Spanring spielt diese Alice, lebendig, ehrlich und immer ganz direkt. Ihr Spiel spiegelt in zahlreichen Nuancen die Sehnsüchte, Ängste oder Irritationen der jungen Zuschauer wider und das nimmt sie für sich ein. Erwachsenwerden im Wunderland – ein schöner Gegenentwurf zur sterilen Aufzucht in der Leistungsgesellschaft.

Die Rezensionen haben Raphael Protiwensky-Schenk, Eva Roth und Thomas Klischke verfasst. Sie beobachten „Luaga & Losna“ in Nenzing als Teilnehmer der Dramatikerbörse. Das Festival geht heute mit Aufführungen um 17 und 19 Uhr zu Ende: www.luagalosna.at

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