Königliche Löwin und ein Dompteur

Kultur / 29.06.2014 • 20:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Anne-Sophie Mutter in Mozarts Sinfonia. Fotos: Voith
Anne-Sophie Mutter in Mozarts Sinfonia. Fotos: Voith

Brillantes Jubiläumskonzert mit Manfred Honeck und Anne-Sophie Mutter.

Wolfegg. (chv) „Weltformat im Allgäu“ steht über der Festschrift zum 25. Jubiläum der Wolfegger Konzerte. Weltformat hatte auch das exzellente Jubiläumskonzert am Samstagabend unter der Leitung des international tätigen Vorarlberger Dirigenten Manfred Honeck mit den Bamberger Symphonikern und Stargast Anne-Sophie Mutter.

Bei diesem Orchesterkonzert war die koreanische Bratschistin Hwayoon Lee Partnerin von Anne-Sophie Mutter in Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur KV 364. Ein glückhaftes Musizieren, bei dem die Solistinnen bald alternierten, die Melodie der anderen fortführten oder aber ihre Stimmen vereinten, während Honeck mit dem Orchester einen sanften Klangteppich unterlegte. Sakrale Stimmung prägte das Andante, ein großes stilles Atmen des Orchesters, während die Soloinstrumente ihre tiefsten Gedanken zu verraten schienen. Mit heiterem Wettstreit und beschwingtem Musizieren endete die Sinfonia.

Ein Klangrausch

Hörte man hier vor allem auf das Miteinander der Solistinnen, war das folgende Violinkonzert A-Dur KV 219 vom Wechselspiel von Solo und Orchester bestimmt. Wie eine sprungbereite Löwin blickte Anne-Sophie Mutter auf das Orchester, duftig tanzend setzte sie ein, setzte markante Kontraste. Spürbar war der intime Einklang mit Manfred Honeck.

Vielfarbig schillerten Anne-Sophie Mutters Kadenzen, berückend war ihr Piano im Adagio, ein wunderbarer Gesang der Geige. Sprühend setzte das Rondeau ein, endete mit entfesselter Urgewalt. Ein Höhepunkt gewiss, doch das eigentliche Ereignis erwartete die Zuhörer nach der Pause. Wann hat man je Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur mit solcher Vehemenz als einzigen Klangrausch gehört. Es wäre nicht Honeck, wenn nicht auch die Lyrik wunderbar ausgemalt gewesen wäre, das feine Zusammenspiel von Bläsern und Streichern, das sensible Klanggeflecht, das in berauschender Dynamik lauter und wieder leiser wurde. Bis an die Grenzen des Unhörbaren ging Honeck beim Trauermarsch, bevor er tröstliche Verheißung aufblühen ließ. Honeck peitschte die Musiker zuletzt wie ein Dompteur an, genoss lyrische Momente, um umso furioser loszulegen.

Manfred Honeck dirigierte die Bamberger Symphoniker.
Manfred Honeck dirigierte die Bamberger Symphoniker.

Im Rahmen der Salzburger Festspiele dirigiert Manfred Honeck am 19. und 20. Juli Matinee-Konzerte mit einem Mozart-Programm.

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