Starker Götterfunken in düsterer Bahn-Remise

29.06.2014 • 18:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Als Dirigent und Leiter des Festivals „Montafoner Sommer“ wurde Nikolaus Netzer in der ausverkauften Remise in Schruns gefeiert.  Foto: CD  
Als Dirigent und Leiter des Festivals „Montafoner Sommer“ wurde Nikolaus Netzer in der ausverkauften Remise in Schruns gefeiert. Foto: CD  

„Montafoner Sommer“ mit deutlichem Bekenntnis zum Festival eröffnet.

Christa Dietrich

Schruns. So rasch geht es selten. Kaum war der letzte Satz der 9. Sinfonie von Beethoven verklungen, brauste der Applaus auf und bevor sich der Dirigent Nikolaus Netzer dem Publikum zuwenden konnte, hatte sich dieses schon von den Plätzen erhoben. Deutlicher konnten die Leute nicht bekunden, dass sie sich eine Fortsetzung des Festivals „Montafoner Sommer“ wünschen und dass sie das goutierten, was der scheidende künstlerische Leiter in den letzten zehn Jahren (inklusive Opernuraufführungen) geboten hatte. Bemerkenswert war auch, dass Kulturlandesrat Harald Sonderegger Szenenapplaus bekam, als er in seiner Eröffnungsrede am Samstagabend betonte, dass man die Veranstaltungsreihe weiterhin unterstützen werde.

Draufgängertum

Nachdem Zusicherungen in einem solchen Rahmen auch vor Wahlen nicht üblich sind, darf man also davon ausgehen, dass es um die Zukunft des Festivals nicht so schlecht bestellt ist, wie es schon einmal schien, und man darf hoffen, dass auch etwaige Nachfolger Netzers die künstlerische Qualität im Auge behalten. Dieser hatte für den Start in seine letzte Saison so viel aufgeboten, dass kaum noch auffällt, dass er das weitere Programm kürzen musste. Beethovens „Neunte“ verlangt eine große Besetzung. Das Orchester des Musiktheaters Vorarlberg wurde entsprechend aufgestockt und Vertreter Vorarlberger Chöre taten sich mit dem Boku-Chor aus Wien zusammen. Solisten zu finden, ist das Leichteste in diesem Unterfangen, für das es Engagement und auch ein gewisses Maß an Draufgängertum braucht.

Netzer hat dementsprechend viel zu tun am Pult, er muss die Einsätze mit großer Deutlichkeit geben und agiert mit Akribie. Nimmt man den entscheidenden dritten Satz als Gradmesser, so ist man höchst beeindruckt mit einer spannungsreichen Wiedergabe konfrontiert. Netzer hat die Positionen in seinem Klangkörper umsichtig besetzt, hat mit Byoung Nam Hwang, Peter Schöne, Irene Wallner und Vera Schoenenberg passable bis sehr gute Solisten und kann zu einem Chorklang motivieren, der mit dem Orchester harmoniert. In der düsteren Remise der Montafonerbahn wuchs so mancher Klangstrahl zum starken Funken heran. In einem außergewöhnlichen Rahmen wurde mit der „Ode an die Freude“ somit ein schönes, länger haften bleibendes Ergebnis erzielt.

Heute beim „Montafoner Sommer“: Timna Brauer und Elias Meiri, Kulturbühne Schruns, 19.30 Uhr